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 Eure Geschichten

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Yhji
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:15 am

„Als ich sechs war sind meine Eltern bei einem Unfall gestorben. Davon habe ich diese Narbe.“ Ich berührte meine Wange und fuhr dann fort. „Nur noch meine Schwester und ich lebten. Wir kamen in das Waisenhaus, wo ich dann Janosch und Anna kennen lernte. Anna brachte mir das Querflöte spielen bei, doch dann starb sie und hinterließ mir ihr Instrument. Dann hatte ich nur noch Janosch und meine Schwester, doch dann habt ihr mir eine neue Familie gegeben.“ Ich lächelte unter Tränen und mein Bruder nickte ernst.
„Das ist nicht alles, nicht?“ Nun flossen die Tränen wieder in Strömen über meine Wangen.
„Nein!“, brachte ich hervor. „Ich hatte sie vergessen. Ich habe nicht mehr an sie gedacht.“ Nun weinte ich hemmungslos und er nahm mich in den Arm und tätschelte mir den Rücken.
„Weißt du.“ Setzte er an. „Du hast ein neues Leben angefangen. Du hattest ein Recht den Schmerz abzulegen.“ Ich wusste dass er Recht hatte und doch fühlte ich mich schuldig. Plötzlich hielte er kurz die Luft an. „Aber vielleicht kann ich dir helfen.“
Einige Zeit später saß ich vor dem Telefon, die Nummer des Waisenhauses fest in der Hand. Sollte ich wirklich anrufen? Nach all den Jahren ohne eine Nachricht? Meine Hände zitterten, doch ich wählte nicht.
Feigling!, schimpfte ich mich in Gedanken. Aber vielleicht haben sie dich auch vergessen, so wie du sie vergessen hast, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Kopf. Wollte ich denn ihre Wunden tatsächlich wieder aufreisen? Hatte ich das Recht dazu sie an mich zu erinnern, ob sie es wollten oder nicht? Vielleicht hatten sie mit der Trennung mehr Probleme, da sie nicht in eine neue Familie gekommen waren? Vielleicht hatten sie es gerade erst hinter sich gelassen? Ich zerknüllte den Zettel in der Hand. Nein! Ich konnte einfach nicht anrufen!
Und was ist mit deiner Schwester? Was ist mit Shika?! Bei diesen Gedanken trat ihr Bild in mein Bewusstsein, deutlich und klar. Sie lächelte mich an und doch schienen ihre Augen um Hilfe zu schreien. Etwas klagendes lag in ihnen.
Willst du denn nicht wissen, was aus mir geworden ist? Willst du mich für immer vergessen? ICH habe dich nicht vergessen! Schienen sie zu schreien und dann endlich griff ich nach dem Hörer und tippte die Nummer. Meine Hände zitterten so stark, dass ich mich dreimal verwählte.
Das Tuten schien unglaublich laut in meinen Ohren. Und es dauerte lange bis jemand dran ging.
„Guten Tag?“ Mein Herz schlug schmerzhaft in meiner Brust. Meine Knöchel wurden weiß. Diese fragende Stimme klang ziemlich nach Ayumi. Ich holte tief Luft.
„Hallo. Hier ist Haná.“, piepste ich und auf der anderen Seite blieb es eine Weile still.
„Entschuldigung, aber wer bitte?“ Ich legte auf. Der Schock lähmte mich für eine Weile, dann rollte ich mich auf meinem Bett zusammen und schlang die Arme um die Knie. Keine Träne fiel, aber mein Herz schrie. Sie hatten mich vergessen. Ebenso wie ich sie. Ich hatte mir eingebildet einen Platz in ihrem Gedächtnis zu haben, ganz für mich alleine. Warum sollten sie nicht auch einfach die Erinnerung an mich ablegen, um sich nicht weiter damit zu quälen? Das war nur fair. Ich vergrub das Gesicht in meinem Kissen und schlief fast sofort ein, obwohl es gerade mal Mittag war.
Das war das erste mal seit fünf Jahren, dass ich von meinem früherem Leben träumte. Ich träumte, dass ich die Straße zum Waisenhaus zurück entlang ging und die Kirschblütenblätter um mich herum wirbelten. Ich trug wieder das grüne Kleid und mein Haar war wieder lang.
Ich hatte die Querflöte in den Händen und ging an dem Haus vorbei zu Janoschs und meinem Lieblingsplatz. Er saß wie erwartet auf dem Stamm und spielte auch Querflöte. Doch er passte sich diesmal nicht meinem Spiel an. Es klang wirr und dissonant, also ließ ich erschrocken und enttäuscht die Flöte sinken. Jetzt drehte er sich um und sah mich an. Sein Gesicht wirkte wie eine Maske. Kein Funken des Wiedererkennens lag in seinen Augen und das verletzte mich. Plötzlich ging jemand an mir vorbei. Es war Shika. Ihr Duft umwehte mich, als sie sich an mir vorbeischob und ihre Haut fast die meine berührte. Sie stellte sich neben Janosch und beide sahen mich an. Ihre Kleider und Haare flogen in einem sanftem Wind.
„Wer bist du?“, fragte meine Schwester und als ich den Mund öffnete schüttelten Beide den Kopf. Dann gingen sie davon und das wohl für immer. Sie verließen mich nun entgültig und nahmen alles mit sich. Jeden Gedanken an sie und alles, was mich an sie band.

Erschrocken fuhr ich hoch. Eine Sekunde brauchte ich um meine Gedanken zu ordnen. Das Telefon hatte mich wohl geweckt, denn es klingelte laut und aufdringlich in mein Ohr.
Abwesend stützte ich mich auf die Ellebogen und drückte auf den grünen Knopf.
„Hallo?“, nuschelte ich fragend in den Hörer und wäre vor Schreck fast einen halben Meter hochgesprungen, als Anito laut in den Hörer rief:
„Hey Haná! Wie geht’s?“ Ohne eine Antwort abzuwarten plapperte er weiter. „Du das wegen gestern mit dem Typ, das tut mir voll Leid und so.“ Ich lächelte und setzte mich nun ganz auf.
„Ach, mach dir keine Gedanken. Ist schon okay.“ Ich hörte fast den Stein von seinem Herzen kullern.
„Super! Hey, Layla hat mich gerade angerufen. Sie wollte fragen ob wir mit zu dem Weihnachtsball heute Abend wollen.“ Ach stimmt ja! Kiyoshi hatte ja heute Weihnachtsball! Das hatte ich ganz vergessen. Sofort war ich Feuer und Flamme.
„Na klar! Super ich freu mich! Bis nachher!“ Ich hörte, wie er erleichtert lachte.
„Ich mich auch! Bis später Kleine!“ Mein Herz hüpfte und als ich aufgelegt hatte konnte ich mich schon nicht mehr an den Traum erinnern. Auch meine Schuldgefühle waren fort. Ich war sofort auf den Füßen und hastete zu meinem Kleiderschrank.
Ich riss ihn auf und ging alle meine Kleider durch. Das eine war zu luftig, das andere zu kurz. Hatte ich denn kein passendes Kleid? Die Kleiderbügel ratschte nur so, als ich sie energisch zur Seite schob. Ich freute mich so auf den Ball, dass ich alle Sorgen von heute Vormittag vergaß.
Endlich entschied ich mich für ein knielanges blaues Tüllkleid mit V-Ausschnitt und dem passendem Paar Schuhe.
Während ich mir die Beine rasierte warf ich einen Seitenblick auf meinen Wecker und schnitt mich vor Schreck fast. Es war schon halb sechs! Ich musste mich beeilen!
Hektisch warf ich den Rasieren fort und schlüpfte in das Kleid. Dann fuhr ich in die Schuhe und begann meine Haare kräftig durchzukämmen. Mit ein paar geübten Handbewegungen steckte ich sie mir hoch und legte mir eine schlichte Silberkette um.
Klackernd stürmte ich die Treppe hinunter und währe auf der letzten Stufe fast hingefallen.
„Langsam, langsam!“, rief Kiyoshi und hielt mich gerade noch fest. Dann reichte er mir meinen Schal und Mantel. „Beeil dich! Wir sind spät dran! Alle aus unsere Schule kommen!“ Er warf wieder einen Blick auf die Uhr und kaum hatte ich den letzten Knopf zugemacht, als er auch schon schwungvoll die Tür aufriss. Ich grinste und folgte ihm.
Der Wind hatte sich gelegt und es hatte aufgehört zu schneien, dafür hatte es die Sonne eben geschafft sich einen Weg durch die Wolken zu suchen. Sie reflektierte auf der unberührten Schneedecke in allen Regenbogenfarben. Dennoch war es eisig kalt und ich schob rasch die Hände in die Manteltaschen.
Schon von weitem hörte man das Knirschen der Schneeschaufeln und das Ächzen der Menschen, die den Weg mit ihnen frei räumten. Einige Räumfahrzeuge tuckerten die Straße entlang und machten einen ohrenbetäubenden Lärm. Ich kniff die Augen zusammen, da mich der Schnee blendete. Die meisten Autos standen nicht mehr an ihren Parkplätzen oder waren freigeräumt worden. Ich lächelte. Das war eben Tokio.
„Na komm schon Haná! Aber fall nicht hin!“ Ich beschleunigte meinen Schritt und bemühte mich, auf den mindestens drei Tonnen Kies, so wie es mir schien nicht auszurutschen. Nun waren unsere Schritte nicht mehr angenehm gedämpft, sondern gesellten sich laut knirschend zu den von tausend anderen. Auch rasten nun wieder Autos an uns vorbei und bespritzen uns mit Schneematsch. Die Straße war wieder voller Leben und wir mussten uns wie immer einen Weg durch die Menge suchen.
Endlich erreichten wir das Schulgebäude, in dem der Weihnachtsschulball stattfinden würde. Bereits auf den Stufen sah ich viele herumstehen, die ich kannte, auch wenn noch keiner aus meiner Klasse dabei war.
Angenehmes Stimmengewirr erfüllte die Luft und alle trugen elegante Kleider und hielten ein Glas Orangensaft oder Sekt in den Händen. Wie immer hatten sie sich in Gruppen gesammelt und plauderten, bis das Schultor geöffnet wurde.
Endlich entdeckte ich jemanden aus meiner Klasse und ließ Kiyoshi stehen. Klackernd hüpfte ich die Stufen hinauf und kam strahlend neben ihm zum Stehen. Er hieß Yan und ich verstand mich relativ gut mit ihm, auch wenn er manchmal ein wirklicher Idiot sein konnte.
„Hey Yan!“, begrüßte ich ihn und lächelte ihn an. Er sah von seinen Schuhspitzen auf, die er bis gerade eben noch stirnrunzelnd gemustert hatte und grinste mich an.
„Hi Haná! Wie geht’s?“ Eine ungeduldige Frau stieß mir schmerzhaft in den Rücken und verzögerte dadurch meine Antwort. Als ich mich stöhnend wieder gefangen hatte drehte ich mich noch einmal mit hochgezogenen Augenbrauen und kopfschüttelnd um.
„Mir geht’s gut und dir?“ Diese Folge von Standartfragen war leider unvermeidlich und ich konnte nicht umhin eine Grimasse zu schneiden. Er verstand was ich meinte und antwortete hastig:
„Ja mir geht’s auch gut. Und? Hast du Begleitung? Ganz schön viel los hier, oder?“ Er machte eine Geste zu der wartenden Menschenmenge hin. Ich schlang die Arme um den Körper, da mir langsam doch kalt wurde und nickte. Dann schwiegen wir uns an. Ich verdrehte hinter Yans Rücken wieder die Augen. Mit manchen Jungs konnte man sich einfach nicht unterhalten. Also tat ich es ihm gleich und starrte das schmiedeeisernen Schultor an, in der Hoffnung es würde sich endlich öffnen. Unsere Schule war ein altes Steingebäuden mit hohen Fenstern und ausladenden Marmortreppen. Außerdem gehörte sie nicht zu den größten, doch gerade das gefiel mir. So konnte man immer gut den Überblick behalten.
Plötzlich schlang jemand von hinten die Arme um mich und drückte mich so fest, dass mir die Luft wegblieb. Das konnte ja nur eine sein.
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Yhji
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:16 am

„Layla! Bitte lass mich los!“, presste ich kichern hervor und als sie dem sofort nachkam drehte ich mich freudestrahlend um. „Klasse oder? Aber das nervt voll, dass sie Verspätung haben!“ Sie lachte und legte den Kopf in den Nacken. Ihr figurbetontes schwarzes Kleid schmeichelte ihr sehr.
„Ja, aber ist das nicht typisch? Selber rasten die Lehrer aus, wenn man zu spät kommt, aber sie sind auch nicht besser!“ Wir lachten und wie auf Kommando schwangen die Türen plötzlich auf. Sie ergriff gerade noch rechtzeitig meine Hand, bevor wir von der drängenden Menschenmasse hineingetragen wurden.
Ich hatte die Aula noch nie so voll gesehen. Hunderte von Menschen in festlichen Gewändern drängelten sich an den Stufen der ausladenden Haupttreppe, wo nun unser Schuldirektor in einem schmucken Anzug stand und ein Mikrofon wie ein Schlagholz in der Hand hielt. Er mochte es nicht so gerne vor so vielen zu sprechen und die meisten Schüler, die dies wussten kicherten verhalten. Er räusperte sich, wohl wissend, dass die Hälfte der Gäste noch draußen vor dem Schultor stand. Selbst von der Entfernung sah ich die Schweißperlen, die ihm die Glatze hinunterrannen und dass seine Brillengläser beschlugen. Er war ziemlich klein und kugelrund. Sein buschiger Schnurbart erreichte fast seine Segelohren und der Krawattenknoten schien ein wenig zu eng für seinen wulstigen Hals zu sein.
Aber sein Äußeres war uns allen egal, da er ein freundlicher und zuvorkommender Mensch war und nun warteten wir alle gespannt auf seine Rede.
„Guten Abend!“, fing er an und ich fühlte mich an einen Ochsenfrosch erinnert. „Ich freue mich sehr, dass Sie alle gekommen sind. Es ist wohl wieder an der Zeit ein Zusammenkommen zu feiern. Warum nicht hier, wo wir doch alle unsere Zukunft bestimmt haben?“ Er machte eine Pause und tupfte sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn, was ihm ein paar Lacher eintrug, die er lächelnd quittierte. „Getränke finden sie bei den Biosälen, ebenso wie Kuchen. Tanzen kann man in der großen Turnhalle.“ Dann ließ er das Mikro fallen, als hätte er sich verbrannt und flüchtete hastig vor dem aufbrandendem Beifall nach oben.
„Er ist wirklich unverbesserlich!“, schrie Layla mir über all den Lärm zu und ich lachte.
„Stimmt. Er wird es wohl nie hinkriegen eine gescheite Rede zu halten.“ Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und musste mich an Layla festhalten, damit ich nicht von der Menge mitgerissen wurde, die nun in alle Richtungen davon drängte, um den Nachkommenden Platz zu machen. „Du hast nicht zufällig Anito oder Kiyoshi gesehen?“, rief ich und kämpfte gegen den Strom an.“ Sie stellte sich nun auch auf die Zehenspitzen und da sie um einiges größer war als ich hatte sie einen besseren Überblick.
„Ja Kiyoshi ist da hinten! Ich geh mal rüber, okay?“ Ohne eine Antwort abzuwarten ließ sie mich los und tauchte in die Menge. Ich ließ mich mittreiben und drehte mich dabei immer wieder suchend um mich selbst. Schon jetzt begann ich durch die reinen Körperwärme der Leute zu schwitzen und sah mich um. Vielleicht konnte ich schnell ausweichen oder so? Die Gelegenheit war perfekt, als wir an einem kleinem Zwischengang vorbeikamen. Ich griff nach der Wandkante und hielt mich fest. Dann zog ich mich kraftvoll zu ihr hin, was allerdings um einiges schwerer war, als es sich anhörte. Bei der Gelegenheit hätte mir ein Gentleman fast seinen Sekt übergekippt.
Endlich schaffte ich es in den menschenleeren Seitengang, wo ich mich erst mal keuchend gegen den kalten Stein drückte und mir den Schweiß mit dem Handrücken von der Stirn wischte.
So war es jedes Jahr. Alle Bälle waren überfüllt und es herrschte eine Lautstärke wie auf einem Karneval. Am Anfang waren sie alle ganz wild darauf zu tanzen und dann....
Ich konnte den Gedanken nicht zuende führen, denn plötzlich ergriff jemand meine Hand und riss mich wieder in den Menschenstrom, der zur Sporthalle drängte. Überrumpelt stolperte ich und fiel fast hin, fing mich aber gerade noch, wobei ich einer Dame schmerzhaft auf den Fuß trat. Vollkommen konfus versuchte ich den auszumachen, der mich da mitschleifte, aber die Massen an Körpern versperrten mir die Sicht.
Ich machte mein Hand steif, damit er oder sie mich losließ, doch die andere Hand, die um einiges größer war als meine hielt mich nur noch fester.
„Kannst du nicht ein bisschen aufpassen?“, schnappte eine Frau, die ich anstieß, da mein ‚Führer’ es so eilig hatte und ich mehr oder weniger mitstolperte. Nun wurde es mir zu bunt und ich begann mich zu wehren, aber er, ich war mir inzwischen sicher, dass es sich um einen Jungen handelte, war stärker als ich. Also gab ich es auf und versuchte nur noch den Leuten nicht auf die Füße zu treten. Völlig hilflos wurde ich mitgerissen und hatte schon längst die Orientierung verloren.
Wohin wollte der eigentlich? In der Sporthalle würde man sich gerade wohl kaum bewegen können. Ich begann wieder gegen den Zug anzukämpfen, doch die Masse, die mich von hinten schob war auch nicht gerade hilfreich. Da hörte ich eine Stimme.
„Haná! Hier bin ich!“ Das war Anito, ich sah mich fieberhaft um und entdeckte ihn vor mir. Plötzlich rammte ihm mein Führer die Schulter in die Seite und drängelte sich an ihm vorbei.
„Anito! Ich...“, schrie ich hilflos, doch da wurde ich schon zwischen zwei fettleibigen Damen hindurchgezogen und verlor ihn aus der Sicht. Er hatte überrascht und ein wenig verärgert ausgesehen. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Allmählich richtig wütend begann ich gegen den Griff zu kämpfen, vergebens. Fest, aber doch sanft hielt mich die Hand umklammert und zog mich weiter.
Ganz plötzlich wurde eine Rechtskurve eingeschlagen, wobei ich fast zwanzig Leute anrempelte. Diese Treppe ging zur Oberstufenbibliothek, wo ich noch nicht rein durfte, also war ich ziemlich überrascht, als er sich aus der Menge löste und mich mit hoch zog. Auch jetzt erkannte ich ihn nicht von hinten. Je höher wir kamen, desto stiller wurde es und ich schnappte befreiend nach der kühlen Luft, die mich nun statt der stickigen umgab.
Die Tür wurde aufgestoßen und nun waren wir in der Bibliothek. Es roch nach Büchern, ein angenehmer Geruch. Der Lärm kam nur noch entfernt und hier auf dem hellem Platz, bevor die Bücherregale anfingen war es viel gemütlicher. Schweiß bedeckte meine Stirn und ich wischte ihn mir mit meiner endlich freien Hand weg.
Da drehte sich der Junge grinsend um und mein Herz setzte einen Schlag aus.
„Fin!“, keuchte ich und ließ mich völlig entkräftet auf einen Stuhl fallen. Er sah mir den leicht durcheinanderen Haaren ziemlich gut aus. Auch das schelmische Grinsen und der Anzug standen ihm ausgezeichnet, wie immer haute sein Anblick mich um.
„Haná! Tut mir Leid das grade eben. Aber das war das erste Mal, dass ich dich ohne Begleitung gesehen habe und das musste ich ausnutzen!“, erklärte er und die Hitze stieg mir ins Gesicht. Jetzt bloß nicht rot werden, dachte ich und bemühte mich, ganz normal zu schauen. Warum passierte so was nur mir? Warum konnte er nicht auch von mir überwältigt sein? Er lächelte mich an und der Wunsch ihm wegen geradeben ordentlich die Meinung zu geigen verflog. Ich lächelte auch.
„Ich wusste gar nicht, dass du auch auf die Schule gehst.“, brachte ich schließlich mühsam hervor und seine Augen leuchteten erfreut.
„Ja ich wusste es bei dir auch nicht. Dabei geh ich ja schon ewig hier her. Komisch das du mir noch nie aufgefallen bist.“ Ich lächelte und schlug verlegen die Augen nieder. Ich hörte wie er sich neben mich setzte und mein Herzschlag beschleunigte sich.
„Ich hab dich eigentlich hier hochgeschleift, weil ich mal noch mal ein bisschen mit dir reden wollte. Ich meine, das haben wir ja schon, aber ich will dich noch ein bisschen besser kennenlernen.“ Ich konnte nicht mehr, als noch verlegener zu werden und als ich nichts sagte fing er einfach an mich mit Fragen zu bombardieren und ich antwortete immer schnell und wahrheitsgemäß.
Als er endlich fertig war hatte ich mich an seine Anwesenheit gewöhnt und mein Herzschlag beruhigte sich wieder ein wenig. Er lächelte und brachte mein mühsam aufgebautes Gleichgewicht damit schnell wieder zum bersten.
„Komm, gehen wir tanzen! Ich hatte echt Glück, dass ich dich als Erster erwischt habe.“ Ich sagte nichts und ließ mich einfach mitführen.
Nach der angenehmen Kühle in der Bibliothek kam mir die Luft unten noch stickiger vor, allerdings hatten sich die Menschen wieder ein wenig zerstreut und das laute Geplapper hatte sich zu gedämpften Gesprächen gewandelt. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass es draußen inzwischen dunkel war.
Jetzt rannte Fin nicht mehr so. Er führte mich vorsichtig durch die einzelnen Gruppen und drehte sich zwischendurch immer wieder lächelnd zu mir um. Ich konnte es fast nicht fassen. Als wir die Turnhalle erreichten schlug mein Herz bereits ein wenig weiter oben, als es sich gehörte.
Ruhige Musik drang uns entgegen und eine nicht weniger angenehme Luft. Wir schoben uns hinein und ich blieb erst mal fassungslos stehen. Unser Kunstleistungskurs hatte es mal wieder übertrieben. Die Tore an beiden Seiten der Halle waren mit goldener Glitzerfolie umwickelt und an den Wänden hingen Tannenzweige und andere hässliche Girlanden.
„Oh mein Gott! Unsere schöne Turnhalle!“, beklagte ich mich und Fin lachte.
„Sie werden sie schon wieder hinkriegen!“, meinte er zuversichtlich und zog mich in den Raum voll tanzender Pärchen. Ich konnte gar nicht so schnell blinzeln, wie er schon meine Hände ergriffen hatte und sich der Musik anpasste. Ich nahm die anderen gar nicht wahr sondern konzentrierte mich voll und ganz auf ihn.
Auch er hatte keinen Blick für die anderen übrig und lächelte mich die ganze Zeit über an. Es wurde immer wärmer und meine Frisur begann sich aufzulösen.
Wir tanzten Tanz um Tanz miteinander und er ließ niemanden sonst an uns heran. Nach dem fünftem Tanz ließ ich seine Hände los und flüchtete vor die Tür. Ich brauchte ein wenig Zeit für mich um mich zu sammeln, Er hatte mich völlig aus der Fassung gebracht. Mit den Worten:
„Ich muss was trinken!“, ließ ich ihn stehen und rannte durch die Menge nach draußen. Angenehm kühle Luft schlug mir entgegen und ich sog sie erleichtert ein. Das Kleid klebte schon an meinem Körper und meine Haare hafteten feucht in meinem Nacken.
Die meisten waren schon nach Hause gegangen und ich sah nur noch ein paar Pärchen auf dem Weg zu den Biosälen. Dort angekommen nahm ich mir ein Glas Orangensaft. Dann lehnte ich mich an die kühle Mauer und holte erst einmal tief Luft.
„Hey Haná!“ Vor Schreck hätte ich fast mein Glas fallen lassen. Anito stand vor mit. Verschiedene Gefühle wechselten in seinem Gesicht. Ich bekam ein schlechtes Gewissen. Immerhin war ich ja eigentlich wegen ihm gekommen.
„Hey Anito.“, antwortete ich deswegen ein wenig zerknirscht, doch überrascht sah ich, dass er lächelte, wenn auch ein bisschen traurig.
„Passt schon Haná. Ich weiß, dass du ihn magst, das finde ich toll. Ich mag da nicht reinfunken. Ich kann ja auch mit anderen Leuten tanzen.“ Er nahm es nicht ganz so leicht auf sich, wie er tat, aber er spielte es, um mir kein schlechtes Gewissen zu machen. Dafür war ich ihm unendlich dankbar.
„Du bist der beste Anito.“, flüsterte ich und umarmte ihn. Er lächelte und lehnte sich neben mir an die Wand. Dann beugte er sich zu mir hinunter.
„Schau mal der Typ da drüben. Der ist komisch.“ Ich folgte seinem Blick und sah einen verdammt hübschen Jungen an der Wand lehnen. Er hatte das Kinn leicht erhoben und blickte ein wenig überheblich drein. Viele Mädchen drückten sich in seiner Nähe herum und warfen ihm immer wieder schmachtende Blicke zu. Das schien ihm zu gefallen.
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:17 am

„So ein eingebildeter Schnösel.“, murmelte ich und trank einen Schluck Saft. Anito kicherte und nickte.
Ich hob einen Fuß an und rieb mir die Stelle, wo die Lederriemen leicht in meine Haut schnitten. „Aua. Ich hoffe mal, wir müssen nicht mehr allzu lange bleiben.“ Ich gähnte. Er tätschelte mir den Arm. Dann warf er einen Blick über meine Schulter und grinste.
„So Kleine ich geh dann mal.“ Er zwinkerte, umarmte mich und war einfach weg. Ich stand völlig verdattert da und starrte ihm noch nach, als plötzlich Fin auftauchte. Er grinste, wenn auch ein bisschen erschöpft.
„Boah man ey bin ich müde.“, verkündete er und streckte sich. Ich nickte zustimmend und er lächelte. „Ich bringe dich nach hause, okay?“ Mein Herz machte einen Hüpfer und ich nickte nur benommen.
Der Schnee schimmert bläulich und es war noch viel kälter geworden. Unser Atem stieg als Dampf auf und ein paar Schneeflocken verfingen sich in unseren Haaren. Die körperliche Anstrengung hielt mich nicht lange warm. Es war so eisig, dass meine Lippen eisblau wurden. Fin nahm das alles ganz cool und gab mir seine Jacke er selbst schien nicht ein bisschen zu frieren. Das frustrierte mich ein wenig.
Als wir an meiner Haustür standen wurde er ein wenig verlegen.
„Also dann... Das hat Spaß gemacht.“ Er lächelte und ich wurde rot. Er biss sich auf die Lippe und lächelte. Dann umarmet er mich kurz und winkte noch einmal. Dann ging er.
Mit einem Seufzer lehnte ich mich an sie Tür. Mein Herz konnte sich beruhigen. Ich musste erst noch einmal Luft schnappen, dann lächelte ich freudig.
Ich war erst einmal verliebt gewesen und damals hatte der Junge mir das Herz gebrochen. Vielleicht war es ja dieses Mal anders. Lächelnd drehte ich mich um und schloss die Tür auf.








6. Kapitel

An diesem Tag klingelte kein Wecker. Es war Sonntag und das war mein Tag. Da konnte ich schlafen solange ich wollte. Keine Termine, keine Pflichten. Einfach nur schlafen. Wenn mich keiner weckte konnte ich bis in den Mittag hinein schlafen.
Also wunderte es mich nicht, dass die Sonne bereits durch die Schneeschicht auf meinem Schrägfenster schien. Ich setzte mich behutsam auf und streckte mich genüsslich. Zwar tat mir alles weh, aber ich war glücklich. Lächelnd glitt ich aus dem Bett, trippelte zum Fenster und riss es auf. Die eisige Luft, die mir entgegenschlug erfrischte mich und ich holte tief Luft. Es hatte über Nacht nicht geschneit, aber der Schnee war nun gefroren. Der Himmel war strahlend blau und die Schneedecke glitzerte.
„Halt! Nicht so viel abschneiden!“ Ich stutzte und stellte mich auf die Zehenspitzen, um in den Garten hinuntersehen zu können. Ich grinste.
Dort stand Antoin mit einer riesigen Säge in den Fäustlingen, einer dicken Winterjacke und natürlich seinem Hut. Kiyoshi stand nicht weniger dick eingepackt neben ihm und rief wild gestikulierend: „So sägst du ja die halbe Tanne ab! Nein nein! Das ist zu viel! Geh mal ein paar Zentimeter zurück.“ Lächelnd schlug ich das Fenster wieder zu. Jedes Jahr fachsimpelten die Beiden darüber, wie viel Stamm man wegschneiden müsste. Wie spät war es eigentlich?
Ich drehte mich zu meinem Wecker um und kratze mich an der Nase. Es war schon halb zwölf.
Viel zu spät um aufzustehen, beschloss ich, schnappte mir ein Buch und kroch wieder unter die Decke. Ich las gerne, vor allem im Bett. Abends war ich fast immer zu müde dafür, also musste ich es wohl oder übel jetzt machen. Unter meiner Satandecke war es schön warm und wenn ich an das eisige Wetter draußen dachte war es gleich noch viel wärmer. Also verkroch ich mich bis zum Kinn darunter und begann das Buch durchzuarbeiten. Nebenher hörte ich ein bisschen Itschy Poozkid auf dem iPod.
Nach einer Stunde beschloss ich, dass es vielleicht doch an der Zeit war aufzustehen. Außerdem meldete sich mein Magen langsam. Gähnend schälte ich mich also aus dem Bett und wankte zum Kleiderschrank. Was sollte ich bloß heute anziehen? Am besten etwas Warmes. Nachdenklich sah ich meine Sachen durch und entschied mich schließlich für meine graue Röhrenjeans und einem marienblauen Pullover. Die Haare kämmte ich mir nur schnell und wuschelte mit einer Hand nur schnell nachlässig drüber, überlegte kurz und riss dann die Zimmertür auf. Weihnachtsmelodie wehte mir durch das Treppenhaus entgegen und der Geruch von Plätzchen.
Als ich den Flur durchqueren wollte versperrt mir ein Gewirr aus Ästen und Tannennadeln den Weg. Ich blieb grinsend stehen und sah Antoin und Kiyoshi dabei zu, wie sie die Monstertanne ins Wohnzimmer hieven wollten. Schnee tropfte auf den Boden und hinterließ kalte Pfützen.
„Weiter nach links!“, rief mein Bruder gerade und war kurz davor, ein Bild abzuhängen.
„Nein! Geradeaus! Jetzt schieb schon!“, brüllte mein Stiefvater zurück und ich sah das Bild schon auf dem Boden.
Gigantische zehn Minuten später hatten sie den Baum um die Kurve gebracht. Grinsend hüpfte ich um die Pfützen herum zur Tür und schlug sie schwungvoll zu. Da kam auch schon meine Stiefmutter aus der Küche gewuselt.
„Guten Morgen mein Engel. Hier, schau ein Toast. Ich werde heute fürchte ich deine Hilfe beanspruchen müssen.“ Grinsend nahm ich das Toast und biss hinein.
„Kein Problem! Mach ich doch gerne.“, lächelte ich und schob mich an ihr vorbei in das gut geheizte Wohnzimmer.
Der Baum stand jetzt und schien mehr oder weniger den halben Raum auszufüllen. Antoin hielt die Tanne gerade, während Kiyoshi sich unten am Ständer zuschaffen machte.
„Das Teil ist schwer! Hast du’s bald?“, keuchte mein Vater und ein Klicken war zu hören.
„Jap! Müsste stehen.“ Ich grinste und Saju, die plötzlich auch wieder neben mir stand kicherte.
„Es ist doch immer wieder lustig den beiden Fachmännern beim Baumaufstellen zuzuschauen.“ Ich stimmte in ihr Lachen mit ein.
„Das ist wohl wahr.“ Kiyoshi richtete sich auf und betrachtete sein Werk.
„Perfekt!“ Er grinste mich an und dann verschwanden die beiden Jungs im Flur, um ihre Jacken auszuziehen. Ich schob mir das letzte Bisschen Toast in den Mund, klopfte kur die Hände aneinander, dann ging ich zum Schrank und holte die Schachtel mit dem Weihnachtsschmuck heraus.
„Das machen Kiyoshi und ich!“, bestimmte ich und hob grinsend den Deckel. Darin lagen mattgoldene kleine Christbaumkugeln und selbstgemacht Engel aus Tannenzapfen, Eicheln, Nasenzwickern und Bucheckern. Außerdem noch Schleife aus goldenem Geschenkband, sowie selbstgebastelte Sterne. Ich stellte die Schachtel auf ein Couch und wartete auf die Rückkehr von Kiyoshi. Im Wohnzimmer roch es jetzt zu allen anderen angenehmen Gerüchen auch noch nach frischem Harz und Nadeln. Einfach wunderbar. Ich sog den Geruch in mich auf und schloss die Augen.
„Hey! Das sieht doch klasse aus oder? Macht bestimmt Spaß den zu schmücken!“, rief mein Bruder, der gerade wieder hereingekommen war und schnappte sich den ersten Engel. Ich grinste nur und half ihm.
Nach einer Stunde war aller Schmuck befestigt und die Kerzen montiert. Selbstzufrieden betrachteten wir unser Werk.
„Haben wir gut gemacht, was?“, fragte ich und lachte. Kiyoshi stimmte ein.
„Natürlich. Was denn sonst.“ Er war einen Blick zu Terrassentür hinaus, wo man Antoin sehen konnte, wie er Schnee schippte. „Ich glaube ich geh ihm mal helfen.“ Er wich Saju aus, die eifrig mit dem Staubsauger herumfuchtelte und zwängte sich an ihr vorbei nach draußen in den Flur. Wenig später schlug die Haustür zu und er lief nach draußen.
„Typisch männlich. Lassen uns mal wieder aufräumen.“, scherzte meine Stiefmutter laut über das Dröhnen des Putzgeräts hinweg und warf mir einen Staubwedel zu. „Könntest du bitte die Kommode und so abstauben?“ Ich fing ihn auf und grinste.
„Aber klar!“ Dann machte ich mich über die Schränke her. Mit meiner Stiefmutter sauber zumachen war ein ziemlicher Spaß. Immer wenn ein Lied im Radio kam, das wir kannten drehten wir voll auf, tanzten durch den Raum und sangen laut mit. Dann lachten wir so lange bis wir keine Luft mehr bekamen und machten uns dann wieder über Staub oder sonstige Störenfriede her.
Dann kam der spannendere Teil des Tages. Wir begannen zu kochen. Das war immer ein Spaß. Ich kümmerte mich um den Kartoffelsalat, während Saju die Ente betreute. Der Duft zog schon bald durch das Haus, als ihr plötzlich etwas einfiel.
„Spielst du eigentlich wieder Querflöte?“ Sie sah so hoffnungsvoll aus, dass ich in albernes Gekicher ausbrach.
„Na klar. Wir brauchen ja wohl eine musikalische Darbietung, oder nicht?“ Ich grinste und rührte mit dem Pfannenheber im Speck herum. „Was machen eigentlich unsere männlichen Mitbewohner?“, wollte ich plötzlich wissen und Saju grinste.
„Nun ja, die sind noch was für das Dessert einkaufen gegangen.“ Sie zwinkerte. Ich wusste, dass sie mir nicht verraten würde, was es gab also hakte ich auch gar nicht weiter nach, sondern passte auf, dass der Speck nicht anbrannte.
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:17 am

„Geht ihr in die Kirche?“ Ich verdrehte die Augen. Wir waren schon die letzten beiden Jahre nicht mehr in der Kirche gewesen.
„Nee, wir bleiben hier.“ Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es war schon halb sechs. Bald würden die anderen kommen. „Ich geh mich mal fertigmachen!“, verkündete ich, warf den Putzlumpen, mit dem ich gerade herumgespielt hatte auf den Tisch und sprang auf. Dann stiefelte ich die Treppe hoch und überlegte, was ich anziehen sollte.
Mein überfüllter Kleiderschrank erleichterte mir das ganze nicht wirklich und ich brauchte eine halbe Ewigkeit, bis ich mich schließlich für einen schwarzen, längeren Rock und einer roten Bluse entschied. Kaum hatte ich meine Frisur fertiggerichtet, als es auch schon klingelte. Ich raste los und krachte in Kiyoshi.
„Hey! Langsam Schwesterherz!“, rief er lachend und polterte vor mir die Treppe hinunter. Leider waren Saju und Antoin vor uns an der Tür und empfingen die Trâis. Mit der Familie kam ein eisiger Windstoß herein und wir beschlossen großherzig auf der Treppe zu warten, um den überfüllten Flur nicht ganz zu verstopfen. Anito hängte seinen Mantel schnell auf, schob sich um seine schnatternden Eltern herum kletterte zu uns hinauf.
„Hey ihr! Wie geht’s?“ Wir grinsten. Auf diese Frage brauchten wir gar nicht mehr antworten. Im nächstem Moment wurde ich von einem Haufen fliegender Schals begraben, als Frau Trâis mich umarmte. Auch wenn sie ein durchgeknallter Vogel war mochte ich sie ganz gerne.
„Hallo Haná Kleines! Schön dich mal wieder zusehen!“, zwitscherte sie und fiel dann über Kiyoshi her, während ich Herrn Trâis lächelnd die Hand schüttelte.
„Hallo Haná! Ich hoffe dir geht es gut.“, begrüßte er mich und als er lächelte malten sich lauter kleine Falten um seine Augenwinkel. Er sah Anito unglaublich ähnlich. Ich lächelte ihn freundlich an und verdrückte mich dann ins Wohnzimmer. Wenig später folgte der Rest.
Saju lächelte.
„Also, wie machen wir das jetzt? Erst essen oder erst Geschenke?“
„Erst essen!“, kam es von allen einstimmig und lächelnd setzten wir uns an den Tisch, während Saju und ich servierten.
„Ach, das sieht ja köstlich aus!“, trällerte Frau Trâis und betrachtete verzückt ihr Stück Ente. Ich versenkte meine Nase rasch in den Kartoffelsalat und sparte mir den Kommentar.
Ein Essen mit den Trâis war immer eine lustige Angelegenheit. Sie hatten immer etwas zu erzählen und das taten sie auch. Besonders Frau Trâis konnte ohne Punkt und Komma reden und dabei auch noch die passenden Gesichtsausdrücke aufsetzten, dass es uns alle zeriss. So war es auch dieses Mal. Zum Schluss lagen wir fast unter den Stühlen vor lachen.
„Also ich bin dafür, dass wir jetzt Geschenke auspacken und danach Nachtisch essen.“, schlug ich vor und lächelte.
„Dafür bin ich auch!“, verkündete Anito und die anderen nickten. Ich warf noch schnell einen Blick zum Fenster hinaus. Draußen war alles dunkel. Kiyoshi und ich standen auf, um unsere Geschenke von oben zu holen, während Antoin die Kerzen anzündete. Im ganzem Haus roch es nach Weihnachten. Ich grinste.
„Du wirst schauen! Was ich dir schenke!“, verkündete ich und rannte zu meinem Kleiderschrank, um die Geschenke zu holen.
Als wir wieder hinunterkamen hatten sie alle Lichter ausgemacht und sich auf die Couch gesetzt. Nur noch die Lichter des Baumes brannten und drunter lagen einige Geschenke. Rasch legte ich meine dazu und setzte mich neben meinen besten Freund, der mich aufmunternd anlächelte.
Mein Stiefvater klatschte in die Hände.
„Sehr schön. Ich bin dafür, dass Haná uns jetzt erst mal etwas vorspielt.“ Die anderen nickten und verlegen stand ich auf. Dann holte ich die Querflöte hervor und setzte sie an die Lippen.
Sofort erklang meine leichte, süße Melodie. Ich ließ die Noten durch meine Finger fließen, versank in der Musik und wurde selbst ein Teil von ihr. Ich ließ mich fallen und spielte einfach nach Gefühl. Die Melodie erzählte von den Sternen, von Flüssen, von Felsen, Wäldern und allem möglichem Anderem. Ich schloss die Augen, um den bewundernden Blicken der anderen nicht zu begegnen und spielte einfach weiter. Schließlich beendete ich das Lied ganz untypisch für mich auf einem tiefem Ton und die Anderen klatschten anerkennend in die Hände.
„Sagenhaft mein Mädchen!“, triumphierte Antoin und lächelte mich an. Mir war plötzlich ganz warm. „Ich finde, deshalb darfst du auch mit dem ersten Geschenk anfangen.“ Ich grinste, bückte mich und hob eines von meinen auf.
„Saju, das ist für dich von mir.“ Das Geschenk war handlich und in blaues Geschenkpapier eingewickelt, so wie alle anderen Geschenke auch. Sie lächelte mich an.
„Danke. Hmm... was das wohl sein könnte?“ Sie befühlte es, schüttelte den Kopf und begann schließlich vorsichtig es auszupacken. Wir hüpften alle einen halben Meter hoch, als sie einen Freudenschrei ausstieß.
„Danke! Woher wusstest du, das ich so gerne mit Feder und Tusche male?“, fragte sie ganz aus dem Häuschen und ich lächelte im schwachen Kerzenlicht.
„Naja, vielleicht, weil ich im selben Haus wie ihr wohne?“ Alle lachten und dann fuhren wir fort. Zuerst bekamen die Erwachsenen ihre Geschenke, dann die Jugendlichen.
Anito stand auf und legte mir ein kleines Päckchen in den Schoß.
„Hier. Das ist für dich.“ Er strahlte mich an und ich strahlte zurück. Dann begann ich es auszupacken. Als das Geschenkpapier zu Boden glitt schossen mir Tränen in die Augen, so gerührt war ich. Er hatte mir ein gerahmtes Foto geschenkt. Darauf war unser ganzer Tanzverein, als wir bei einer Meisterschaft einen Pokal ertanz hatte. Alle standen wir da, Arm in Arm und nur so strahlend vor Glück.
„Danke!“ Ich drückte ihn ganz fest und gab ihm gleich mein Geschenk. Es war eine selbstgebrannte CD mit seinen neuen Lieblingsliedern, Er schien sich zu freuen. Von Kiyoshi bekam ich ein Armband mir vielen hübschen, tränenförmigen Perlen daran und er von mir eine Taschenuhr. Der Renner waren natürlich Antoines Socken.
„Mit denen komm ich aber in keine Schuhe!“, erklärte er und zog sie an. Wir lachten uns tot und als er dann auch noch die neue Wollmütze aufsetzte sah er aus wie ein Clown.
An Weihnachten wurde bei uns zuhause immer viel gelacht und gefeiert. Wir waren glücklich.
„Nachtisch!“, befahl Saju irgendwann und brav setzten wir uns an den Tisch. Bald darauf kam sie mit einem großem Topf voller flüssiger Schokolade angewankt und einer Schüssel voller Früchte und Spießchen.
Schokofondue zu essen machte Spaß. Wir jagten uns gegenseitig immer die Schokolade ab und wer eine Frucht verlor musste eine Aufgabe erfüllen.
Ich musste einmal die Nationalhymne singen und lauter so ein Schmarn. Alles in allem war es ein glückliches Weihnachtsfest. Um halb Zwölf mussten wir dann ins Bett gehen, da am nächstem Tag Schule war.
„Also Tschüss dann! Hat echt Spaß geamcht!“, behaupteten sie und nach einigen Küsschen und Umarmungen durften wir schließlich totmüde ins Bett wanken.

Am nächstem Morgen klingelte mein Wecker schon um halb sieben. Am liebsten hätte ich einfach weitergeschlafen, aber Schule war nun mal Pflicht.... leider. Also kämpfte ich mich schlaftrunken aus den warmen Bettdecken hervor und stand nun fröstelnd im Zimmer. Draußen war es noch dunkel und still. Da hatte man noch weniger Lust aufzustehen. Gähnend schlüpfte ich in meine Anziehsachen und band mir die Haare zusammen. Dann wankte ich noch halbschlafend die Treppe hinunter. Im Wohnzimmer brannte Licht und Kiyoshi saß nicht weniger unausgeschlafen als ich am Frühstückstisch und kaute lustlos an seinem Toastbrot.
„Morgen!“, gähnte ich und holte mir auch etwas zu essen. Draußen schneite es. Eklig! Da wollte man ja gar nicht rausgehen. Während ich aß suchte ich meine Schulsachen zusammen und stopfte sie irgendwie in meine Tasche, wobei ich einigen davon ein paar Eselsohren mehr verpasste. Es war mir egal. Gähnend schlurfte ich in den dunklen Flur und zog Mantel, Schal Handschuhe, Mütze und Stiefel an. Mein Bruder und ich sahen nach draußen und fröstelten.
Müde sein und frieren ist eine ungute Kombination, dass wusste ich schon immer. Warum musste die dumme Schule auch so früh anfangen? Lustlos gingen wir nach draußen. Wie erwartet war es eisig kalt und stockfinster. Dazu diese Stille und die Gewissheit, dass man einen stinklangweiligen Schultag vor sich hat. Wer würde das nicht lieber gegen einen Tag im warmen Bett mit einer Tasse Tee und einem Buch tauschen? Also ich schon.
Fröstelnd zog ich den Mantel um meine Schultern. Schweigend stapften wir Richtung Schule. Alle Häuser waren noch dunkel und es war totenstill. Der Schnee nahm den Schritten die Geräusche und es roch nach Brennholz von dem Dampf, der aus den Kaminen austrat. Und es roch nach Schnee. Ja heute würde es noch schneien.
Der Weg zur Schule schien plötzlich doppelt solang. Die kalte Luft brannte auf unseren Gesichtern und in unseren Lungen. Völlig durchgefroren und kein bisschen wacher als vorher betraten wir schließlich die Schule. Die anderen Schüler schienen auch nicht ausgeschlafen zu sein, auf jeden Fall war es ziemlich still und alle waren nur wenig motiviert.
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:18 am

Die Treppe hochzusteigen war für mich gerade eine fast nicht zu bewältigende körperliche Anstrengung. Ich musste mich mehr oder weniger hinaufschleppen. Jede Stufe war ein unüberwindbares Hindernis. Als ich endlich oben angekommen war keuchte ich schon.
Unser Klassenzimmer war offen und das Licht brannte. Ich schlurfte hinein und murmelte nur kurz ein hallo, ehe ich ganz nach hinten zu meinem Platz ging. Die Schüler hatten alle ihre Köpfe auf die Bank gelegt und schienen zu schlafen. Es war eine recht kleine Klasse, passend zu der kleinen Schule in einem kleinem Klassenzimmer. Sehr klischeehaft, nicht? Die Fenster waren dunkel, auch wenn die orangenen Vorhänge den Eindruck noch ein wenig aufhellten. Die verkümmerten Grünlilien trugen nicht zur optischen Verbesserung bei, genauso wenig wie die dreckigen weißen Wände, aber eine große, bunte Leinwand an der hintesten Wand des Raumes.
Ich tat es den anderen gleich und legte den Kopf auf die Bank. Wir waren alle viel zu müde zum reden, denn sonst war es normalerweise nicht so still in unserer Klasse. Eigentlich waren wir der Lehrerschreck und diesen Ruf verteidigten wir auch eifrig, aber die Müdigkeit siegte über unseren Ehrgeiz.
Ich lauschte nur dem regelmäßigem Atem meiner Mitschüler und schloss die Augen. Ich befand mich so zwischen Wachsein und Schlaf. Es kostete mich größte Anstrengung nicht einzuschlafen.
Selbst die geschwätzige Julia, die sich kurz darauf neben mich setzte mochte heute nichts sagen. Sie sah so aus, als würde sie gleich tot umfallen. Auch der erste Gong, der ankündigte, dass es nur noch zehn Minuten zum Unterrichtsbeginn waren vermochte es nicht die Schüler aufzupäppeln. Wir mussten uns ja schließlich von dem anstrengendem Wochenende erholen.
Die Tischplatte unter mir wurde allmählich von meiner Körperwärme aufgeheizt und da ich am Fenster direkt neben der Heizung saß war die Temperatur ziemlich angenehm.
Erst als wir die Stöckelschuhe unsrer Englischlehrerin hörten hoben wir mühsam die Köpfe von den Armen.
Mit unerträglicher guter Laune und Energie kam sie ins Zimmer hereingestürmt, die schwarzen Haare standen in alle Richtungen und sie sah so aus, als wäre sie nicht wirklich bei der Sache gewesen, als sie sich heute morgen angezogen hatte. Sie knallte ihre Tasche auf den Tisch und grinste uns an.
„Please stand up!“, trällerte sie und alle brauchten einige Sekunden, bis sie diesen Satz verarbeitet hatten, schalteten und aufstanden. „Good mornig eveyone!“ Keiner antwortete, aber alle ließen sich wieder auf die Plätze fallen. Sie redet deutsch weiter.
„Heute haben wir hier einen neuen Schüle. Komm doch mal nach vorne Mikon!“ Überrascht sah ich über die Schulter. Mir war gar nicht aufgefallen, dass der neue Schüler schon da war. Wie ich fast vermutet hatte war es der Typ, der gestern bei den Biosälen gewesen war und jetzt sah er noch viel unwirklicher aus. Mit seinen teuren Markenklamotten und den ordentlich, mit Gehl verstrubbelten Haaren passte er hier genauso wenig hinein, wie eine Giraffe. Nicht das der Rest der Klasse sich unmodisch anzog, aber sie sahen nicht so aus, als wären sie davor eine Stunde lang im Bad gestanden.
Selbstsicher und im Gegensatz zu uns hellwach schritt er nach vorne und stellte sich zur Klasse gewandt auf. Ein überlegenes Lächeln zierte sein hübsches Gesicht und seine linke Augenbraue zuckte nach oben. Er betrachtete unsere Klasse wie einen Haufen Fans und zwinkerte jedem Mädchen einmal zu. Das schien die Klasse aufzuwecken. Alle Trägheit fiel von ihr ab und die meisten Jungs runzelten über das Verhalten des Neulings genervt die Stirn, während die meisten Mädchen dahinschmolzen. Ich zog die Brauen zusammen.
Dieser Kerl war mir einfach unsympathisch und als er mir zuzwinkerte drehte ich den Kopf weg. Julia hingegen war jetzt schon hin und weg.
„Der sieht doch aus wie ein Model!“, flüsterte sie mir aufgeregt ins Ohr und ich zog die Brauen hoch.
„Für mich sieht er aus wie ein verdammtes Arschloch.“, gab ich trocken zurück und beleidigt verschränkte meine beste Freundin die Arme und lehnte sich zurück. Unsere Englischlehrerin grinste blöde.
„Stell dich doch einmal bitte vor und erzähl etwas von dir.“, bat sie ihn und er schenkte der Klasse ein hinreißende Lächeln.
„Hi, ich bin Mikon. Ich bin 16 Jahre alt und spiele gerne Tennis. Ich war bis vor zwei Wochen noch für einen wichtigen Dreh in Deutschland. Der Film kommt übrigens nächstes Halbjahr raus.“ Er räusperte sich. Miss Stran klatschte begeistert in die Hände und bald folgten wir ihr.
Mikon setzte wieder sein überhebliches Lächeln auf und stolzierte zu seinem Platz in der letzten Reihe. Als er an uns vorbeiging schlug mir der Geruch von Parfum und Gehl in die Nase. Angewidert lehnte ich mich auf meinen Stuhl so weit wie möglich zurück und sorget dafür, dass Julia so saß, dass er mich nicht sehen konnte. Schmachtend lächelte sie ihm nach. Kaum hatte sich die Lehrerin zur Tafle ungedreht fing die Klasse an, die neuste Entwicklung zu analysieren. Auch Julia drehte ihren Stuhl zu meinem hin und lehnte sich verschwörerisch vor.
„Ach, ist Mikon nicht unglaublich süß?“, juchzte sie möglichst leise und lächelte selig. Mit gerunzelter Stirn schaukelte ich mit dem Stuhl nach hinten, um einen Blick auf ihn zu werfen. Megacool saß er auf seinem Stuhl, warf sich mit einer lässigen Bewegung die Haare aus der Stirn und betrachtete alle Schüler von hinten. Krachend ließ ich den Stuhl wieder auf alle vier Beine fallen.
„Naja, er sieht schon nicht schlecht aus, aber er schaut aus wie ein Spaßt. Wahrscheinlich glaubt er, das er jede haben kann.“, murmelte ich kritisch und wie aufs Stichwort warf er uns einen Blick zu, der signalisierte, dass wir uns ruhig geehrt fühlen durften, dass er uns Aufmerksamkeit schenkte. Julia warf einen Blick über die Schulter und drehte sich leuchtend wie eine Christbaumkugel wieder zu mir um.
„Er hat mich angeschaut! Vielleicht findet er, dass ich gut aussehe.“ Mit einem Seufzen holte ich meinen Block heraus und fing an, das abzuschreiben, was and er Tafel stand. Sie hatte mir wahrscheinlich geradeben nicht einmal zugehört.
Die ganze Stunde lang schwärmte sie mir von Mikon vor und so wie es aussah alle anderen Mädchen auch. Ich verdrehte genervt die Augen und schaltete auf Durchzug.

In der Pause stürmten sofort alle laut schnatternd in die Gänge. Mikon ließ sich Zeit und schlenderte, alle Mädchen anlächelnd langsam zur Tür, wo sich bereits eine Traube von ihnen gebildet hatte. Genervt schob ich mich an ihnen vorbei und schloss mich der brüllenden Schülerschar an, die die Treppe hinunter auf den Pausenhof drängelte. Als ich den eisigen Wind spürte, der zur Tür hereinzog schwenkte ich nach rechts und stellte mich wie vorgestern auch schon in den Seitengang. Mit Julia konnte ich diese Pause wohl nicht rechnen und alleine wollte ich nicht in die Mensa gehen, also sah ich mich um, ob ich Kiyoshi, Layla, Anito oder vielleicht sogar Fin entdeckte. Und tatsächlich kam bald mein bester Freund vorbei. Er entdeckte mich und winkte. Ich kämpfte mir einen Weg zu ihm durch und zusammen gingen wir Richtung Mensa.
„Und Kleine? Was gibt’s neues?“, fragte er und seufzte, als er die lange Schlange sah, die anstand. Brav reihten wir uns ein und sogen den Geruch des frischen Brotes ein, das heute angeboten wurde. Hier konnte man sich wieder in halbwegs normaler Lautstärke unterhalten.
„Ach weißt du, heute kam der Neue in unsere Klasse. Also der ist ja mal so was von eingebildet. Der glaubt, er kann echt jede haben!“, beschwerte ich mich und kramte in meiner Hosentasche nach Kleingeld. Wir rückten ein paar Zentimeter vor.
„Ist das zufällig der von gestern?“, wollte Anito interessiert wissen und hinderte einen Fünftklässler mit einem Arm daran, vorzudrängeln. Ich hatte endlich ein paar Yen erwischt und angelte sie jetzt aus der Tasche.
„Genau der. Passt mal auf!“, rief ich, als eine Schar Knirpse von hinten anfing zu schubsen. Mein bester Freund lachte und schüttelte den Kopf.
„Ja, das hat man ihm gleich angesehen. Wie lange habt ihr heute Schule?“ Ich stellte mich auf die Zehenspitzen um zu sehen, wie lange es wohl noch dauern würde, bis wir endlich drankamen.
„Danach hab ich noch Sport, dann hab ich aus. Wieso?“
„Naja, wir hätten ja mit dem Fahrrad in die neue Tanzschule fahren können.“, schlug er vor und kratzte sich an der Nase. Ich seufzte.
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:19 am

„Sorry, aber heute habe ich schon Julia versprochen mit ihr die Party zu planen, die sie am Wochenende machen möchte. Du weißt ja sie hat Geburtstag.“ Ich verdrehte die Augen. Bei Julia galt es: Entweder alles oder Nichts! An ihren Partys ging es immer ganz schön her und man brauchte Ewigkeiten, um den ganzen Krempel zu organisieren. Also hatte ich ihr versprochen heute mit dem Fahrrad bei ihr vorbeizuschauen. „Aber wie wär’s mit morgen? Da können Kiyoshi und Layla ja vielleicht auch.“ Anito grinste und legte dann sein Geld auf den Tresen.
„Wäre cool. Eine Butterstange bitte.“ Während die Kassiererin eine holen ging sah er sich um. „Ich halte dir nen Sitzplatz frei.“ Damit drängelte er sich durch die Schülermenge und setzte sich an den weißen runden Tisch in der Ecke direkt neben dem Fenster, wo bereits mein Bruder, seine Freundin und Dany, der auch in unseren Tanzverein ging saßen. Seufzend sah ich mich um. Wir waren der Tanztisch, denn in der Mensa versammelten sich immer alle Leute mit den gleichen Hobbys an jeweils einem der runden weißen Tische. Jede Gruppe hatte so seine Stammplätze und verteidigten sie auch. Ich bestellte ebenfalls und balancierte mein Tablett zu den andern hinüber.
„Hey Leute!“, begrüßte ich sie und setzte mich neben Layla.
„Hi Haná! Wie war dein Tag bis jetzt?“, fragte Kiyoshi und tauchte ein Sushi in die Soße. Ich bedeckte meine Augen mit einer Hand.
„Frag gar nicht erst. Der Neue in unsere Klasse ist super eingebildet und Julia hat mir den ganzen Tag erzählt wie toll er doch ist! Das war echt nicht auszuhalten.“ Ich stöhnte und legte den Kopf auf die Tischplatte.
„Das wird schon wieder!“, meinte Layla und klopfte mir auf den Rücken.
„Hoffentlich.“, nuschelte ich in meine Arme hinein. „Ich hoffe auch, dass sie mich heute Nachmittag damit nicht ständig nervt.“ Mein Bruder grinste und fuchtelte mit einem Sushi vor meiner Nase herum.
„Du machst Schwärmereien doch sowieso gleich nieder.“, behauptete er und sein Sushi flutschte zwischen den Stäbchen hindurch und landete auf Danys Hose, der neben ihm saß. „Oh, sorry Dany.“ Der Junge betrachtete missbilligend den Fleck auf seiner Jeans und wischte ein paar mal mit seiner Servierte darüber.
„Hm, passt schon. Wie war eigentlich das Viererchasting?“ Erleichtert über den Themawechsel legte Anito sofort los.
„Mensch Dany! Das war so genial! Schade dass du nicht da warst! Ich glaube so gut haben wir noch nie getanzt und wir wurden genommen.“ Der Junge grinste. Er konnte sich selbst relativ gut einschätzen und wusste, dass er noch eine Weile brauchen würde, bis er soweit war wie wir und hatte deswegen keinen Grund, eifersüchtig zu sein.
„Wow wie cool ist das denn! Ihr müsst mir unbedingt sagen, wann ihr Aufführung habt.“
„Logisch!“ Ich lachte und schnappte mir ein Sushi.
„Ist das der neue Typ aus deiner Klasse?“, wollte Layla plötzlich wissen und sah zur Tür. Kauend drehte ich mich auf meinen Stuhl herum und sah Mikon, umgeben von einer Mädchenschar die Mensa betreten. Genervt wandte ich ihm den Rücken zu.
„Ja.“, fluchte ich mit vollem Mund und zog die Brauen zusammen. Nun wandten sich alle an meinem Tisch zur Tür.
„Stimmt. Der sieht wirklich ziemlich eingebildet aus.“, pflichtete Kiyoshi mir bei, der einen langen Hals gemacht hatte. Layla reckte sich ebenfalls.
„Er sieht ganz gut aus.“, räumte sie ein. „Aber wie ein Arschloch.“ Dann ließ sie sich desinteressiert wieder auf ihren Stuhl fallen.
„Tja, die meisten Mädchen scheinen das zweite gekonnt zu übersehen.“, meinte Anito und grinste, während ich stöhnte.
„Sag das mal Julia. Sie ist total verknallt in ihn.“ Jetzt lachten alle und damit war das Thema Mikon fürs Erste abgeschlossen. Einen Moment herrschte an unserem Tisch stille, dann fragte Dany:
„Was macht ihr eigentlich an Silvester?“ Stimmt. Neujahr war ja jetzt auch schon bald.
„Also ich werde mich mit meinen unmotivierten Eltern zuhause zu Tode langweilen. Mal schauen, vielleicht geh ich auch zum Großen Feuerwerk.“, überlegte Layla, schaukelte nach hinten und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.
„Wir fliegen zu Verwandten nach Italien.“, freute sich Kiyoshi und ich nickte grinsend. Anito zuckte nur mit den Schultern.
„Was machst du?“, griff ich das Thema wieder auf und Danys Augen blitzen.
„Ich wollte mit meiner Freundin zu ihrer Tante fahren. Wird bestimmt traumhaft!“ Ich grinste und aß noch ein Sushi.
„Ihr habt doch jetzt bald Prüfungen oder?“, fiel mir plötzlich wieder ein und Layla grinste.
„Ja! Ich freue mich jetzt schon so auf die Abschlussparty! Ich hab mir schon was tolles überlegt.“ Die restliche Pause war sie damit beschäftigt uns bis ins kleinste Detail zu beschreiben, wie ihr Kleid aussehen sollte und was sie mit ihren Haaren machen würde. Das war typisch Layla.
Als es gongte schob ich meinen Stuhl zurück.
„Wir sehen uns später. Einer von euch nimmt doch bitte mein Tablett mit.“ Ich lächelte süß und machte mich dann aus dem Staub, ohne eine Antwort abzuwarten. Eine Sekunde überlegte ich, ob ich die Abkürzung über den Pausenhof nehmen sollte, dann riss ich die Tür auf und ging aus der überfüllten Mensa hinaus in die eisige Kälte.
Nach der warmen stickigen Luft traf mich die Kälte noch viel härter. Es schneite nicht und windstill war es auch, aber es hatte mindestens minus fünf Grad. Tausende von Schülerfüßen hatten den Schnee plattgetrampelt und eben jene drängten sich jetzt hinter mir aus der Mensa.
Da ich keine Lust hatte mit Mikon und seinem Fanclub zu konfrontieren machte ich das ich weiterkam und rannte über den Hof.
Zwei Stufen aufeinmal nehmend hastete ich schließlich die Treppe zur Sporthalle hoch. Die Stufen waren nass vom getautem Schnee und ich musste aufpassen, dass ich nicht ausrutschte. Hier waren kaum Schüler unterwegs, da die Klassenräume auf der anderen Seite des Schulgebäudes waren.
In der Sportumkleide roch es nach der unangenehmen Mischung von allen möglichen Deos und Schweiß. Ich pfefferte meine Sportbeutel auf eine der Bänke und begann mich umzuziehen. Es wunderte mich nicht, dass noch keiner da war, weil wahrscheinlich alle Mädchen aus meiner Klasse Mikon den Weg zur Sporthalle zeigen wollten. Allein der Gedanke daran nervte mich.
Als ich fertig umgezogen war kam schließlich laut schnatternd der Rest herein. Julia stellte ihr Sportzeug neben mich, faltete die Hände vor der Brust, schloss die Augen und jubelte:
„Er ist ja so süß! Er wollte alles sehen und war total interessiert und gar nicht eingebildet.“ Verträumt begann sie, sich umzuziehen.
„Schön.“, murmelte ich und betrachtete desinteressiert die Gänsehaut auf meinen Armen. Das war im Winter immer so, wenn man für Sport T-Shirts anziehen musste. Am Anfang fror man und danach schwitze man. Ganz toll. Ich wippte abwartend mit dem überschlagenem Bein und wartete darauf, dass unsere Sportlehrerin aufkreuzte und aufschloss.
Julia plapperte weiter irgendetwas über Mikon und hin und wieder gab ich einen undefinierbaren Laut von mir, den sie je nach ihrem Belieben deuten konnte. Warum stand sie auch immer auf Jungs, die entweder vergeben oder beschissen waren? Ich konnte es einfach nicht verstehen. Ich rieb mir mit den flachen Händen schnell über die Arme, um mich ein wenig aufzuwärmen und verfluchte den heutigen Tag in Gedanken. Fin hatte ich heute auch nicht gesehen.
Da flog die Tür auf und Frau Bran wirbelte herein. Sie war eine sympathische junge Frau mit kurzem, schwarzem Stachelhaar. Immer trug sie kurze Sporthosen, also auch im Winter. Sie hatte absolut immer gute Laune.
„Hallo ihr Lieben! Heute spielen wir ganz langweilig Ball über die Schnur. Bildet schon mal zwei Mannschaften.“, verkündete sie und schloss die Sporthalle auf. Ich wartete nicht auf
Julia, sondern lief sofort hinein und setzte mich auf die Bank. Erleichtert stellte ich fest, dass sie die Dekoration von Samstagabend entfernt hatten. Außerdem war es hier angenehm warm und mir fröstelte nicht mehr.
„Ich mach das mit der Schnur.“; verkündete ich und ging in den Geräteraum. Hier standen die ganzen Sportgeräte und es roch nach Staub und Gummi. Naserümpfend stellte ich mich auf die Zehenspitzen und angelte nach der Schnur, die zusammengerollt auf dem Schrank lag. Als ich sie endlich zu fassen bekommen hatte waren die anderen schon in der Sporthalle und lautes Geschnatter und Gekreische erfüllte die Luft. Ich verzichtete darauf, die Augen zu verdrehen weil ich sonst wahrscheinlich von dem Schwebebalken gefallen wäre, auf den ich geklettert war, um an die Schnur zu kommen. So beschränkte ich mich legendlich auf ein Stöhnen und schwang mich hinunter.
Gerade, als ich die Sporthalle wieder betrat klatschte Frau Bran laut in die Hände, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Mo Sep 07, 2009 1:19 am

„Okay! Lauft euch fünf Runden warm, während ich die Schnur aufhänge.“, rief sie und nahm mir diese aus der Hand. Sofort joggten alle los, aber es war still geworden. Man hörte nur noch die Gummisolen der Sportschuhe, die auf dem federnden Hallenboden trafen, denn alle sparten sich ihren Atem fürs Laufen.
Ich wartete, bis Julia vorbeikam und schloss mich ihr dann an. Schließlich konnte sie mich jetzt nicht ihren Schwärmereien nerven, da ihre Kondition nicht gerade vom Feinsten war und sie schon nach einigen Metern ziemlich ins Schwitzen kam. Ihr Atem ging jetzt schon unregelmäßig und stoßweise.
Ich seufzte und lief schweigend weiter. Mein Pferdeschwanz wippte mit jedem Schritt gegen meinen Nacken und mein Seitenpony fiel mir lästiger Weise in die Augen. Wieso hatte ich nur keine Haarspange mitgenommen?
Jetzt machten sich wieder meine strapazierten Muskeln bemerkbar, die ich in letzter Zeit ein bisschen zu viel beanspruch hatte. Mit zusammengebissenen Zähnen machte ich weiter und versuchte das Ziehen zu ignorieren. Es klappte ganz gut und als ich meine fünf Runden hinter mir hatte spürte ich es fast nicht mehr.
„So jetzt stellt euch alle auf die Mittellinie und wenn ich pfeife springt ihr nach links oder rechts!“, kommandierte unsere Lehrerin und grinsend taten wir, wie uns geheißen. Als der schrille Pfiff ertönte sprang ich nach rechts und landete in dem Spielfeld. Frau Bran schritt die so entstandenen Mannschaften ab und schickte ein paar der Mädchen von uns zu den anderen, da wir in der Überzahl waren. „Na schön! Ihr kennt die Regeln! Achtung! Eins, zwei, los!“ Damit warf sie den Ball ein und brachte sich hastig in Sicherheit.
Ich fing ihn geschickt auf und spürte das Leder nur kurz an den Handflächen, dann spielte ich schon zu Julia, die neben mir stand. Sie gab ihn ab und schließlich donnerte Ann ihn über die Schnur, doch die andere Mannschaft fing ihn, bevor er den Boden berührte.
Unsere Spiele waren immer ziemlich laut. Alle Mädchen schrieen sich Ratschläge zu und lobten sich dann gegenseitig, kreischten aber auch erschrocken, wenn etwas nicht nach Plan lief. Alles in allem war es immer sehr unterhaltsam und keiner stand länger als eine Minute still.
Am Ende der Stunde verließen wir schließlich nassgeschwitzt und knapp geschlagen das Feld.
„Das war wieder lustig!“, plapperte meine beste Freundin gleich los und sprühte sich mit einer halben Dose Deo ein. Ich grinste und schlüpfte in meinen Pulli.
„Ja, wie immer halt. Du, wann soll ich denn heute dann kommen?“
„Hm... Wie wär’s mit drei Uhr? Da haben wir beide noch Zeit, vorher zu essen und uns umzuziehen.“ Ich nickte. Das passte mir zeitlich ganz gut in den Tag. Ich strich mir noch rasch über die Haare, um zu überprüfen, ob irgendwelche abstanden und verließ dann mit einem: „Bis später!“ den Raum.
Noch hatte es nicht gegongt und kein Schüler war unterwegs. Alle saßen noch in den Klassenzimmern, also hallten meine Schritte besonders laut auf dem Weg nach unten. Die letzten drei Stufen sprang ich und lief dann zu der Tür.
Erleichtert stellte ich fest, dass es aufgehört hatte zu schneien, dafür war ein bisschen Schnee getaut und dann wieder gefroren, also war es spiegelglatt und verdammt kalt.
Aufgeheizt vom Sportunterricht machte mir die Kälte nicht ganz so viel aus, aber als ich den Fuß auf die erste Stufe setzte, glitt ich aus und konnte mich nur mit Mühe auf den Beinen halten.
„So ein Scheiß!“, fluchte ich und schritt vorsichtig die letzten zwei Stufen hinab. Dankenswerter Weise hatte jemand den Weg gestreut, weshalb ich weniger auf meine Füße achten musste. Auf dem Weg nach hause ließ ich immer den Schultag Revue passieren.
Heute war schon ein blöder Tag gewesen. Erst kreuzte dieser komische Angeber auf und dann fiel Julia nichts Besseres ein, als ihn zu ihrem neuen Liebling zu erwählen.

Seufzend schloss ich die Wohnungstür auf. Schon schlug mir der Geruch von heißer Zwiebelsuppe entgegen und mein Magen quittierte dies mit einem hungrigem Blubbern. Grinsen schlug ich die Tür zu und zog den Mantel aus.
„Hallo!“, brüllte ich und rannte strumpfsockig in die Küche, wo Saju am Herd stand und in einem Topf rührte, von dem der Duft ausging.
„Hallo Kleines! Wie war die Schule?“ Ich schnappte mir ein Stück Weisbrot und verdrehte die Augen. Diese Frage war schon so zur Gewohnheit geworden, dass es an Unhöflichkeit grenzte, sie nicht zu stellen. Allerdings würden sie immer die gleiche Antwort bekommen.
„Langweilig.“ Ich ließ mich auf einen Stuhl am Esstisch fallen und drehte den Löffel zwischen den Fingern. Meine Stiefmutter stellte mir eine Schale Suppe hin und setzte sich mir gegenüber. Dann faltete sie die Hände und sah mich mit diesem mütterlich besorgtem Blick an.
„Du wirkst ein wenig aufgekratzt.“, behauptete sie und ich stöhnte.
„Ach wir haben nur so einen blöden Angeber in der Klasse, der geht mir auf den Wecker.“ Um mir weitere Auskünfte sparen zu können beförderte ich mir einen großen Löffel Suppe in den Mund, was ich kurz darauf bereute. Ich verbrannte mir die Zunge und fluchte leise vor mich hin. Schnell trank ich einen Schluck von dem eisigem Wasser und holte erleichtert Luft, aber mein Mund schmerzte immer noch.
„Ich fahr nachher zu Julia. Sie braucht Hilfe.“ Diesmal pustete ich, bevor ich mir die nächste Portion in den Mund schob. Meine Stiefmutter schob die Hände ineinander und lächelte selig.
„Ach, ich finde es immer gut, wenn du neue Leute kennen lernst. Vielleicht ist ja auch mal ein Junge dabei..“ Ich sah sie so entrüstete an, dass ihre Augenbrauen in die Höhe schossen und schluckte rasch die Suppe hinunter.
„Saju! Nicht DER!“, stieß ich hervor und hustete, da ich mich vor lauter Entrüstung verschluckt hatte. Sie klopfte mir auf den Rücken und lächelte weiter vor sich hin.
„Jaja. Eines Tages wird er kommen und dann wirst du..“ Ich unterbrach sie mit einem gelangweilten Händewedeln.
„Ich weiß, ich weiß. Dann werde ich wunschlos glücklich sein und mein Traumprinz wird mich mit seinem weißen Pferd ins Märchenland bringen, schon klar.“ Ich verdrehte die Augen und begann die Suppe, trotz ihrer Hitze in einem Affenzahn in mich hineinzuschaufeln. Meine Nerven waren eh schon ein bisschen überstrapaziert und dieses Gespräch hätte noch mein letztes heiles Geduldsfädchen zum Reißen gebracht. Saju seufzte und gab es offensichtlich auf.
„Schon gut Schatz, ich sag ja nichts mehr. Aber iss bitte langsamer, sonst verschluckst du dich noch einmal.“ Ich sah kurz zu ihr hoch, dachte aber nicht daran, mein Tempo zu verlangsamen. Sie würde ja doch irgendwann wieder anfangen.
Kaum hatte ich den letzten Löffel Suppe in mich hineingeschaufelt, als ich auch schon hastig aufstand, Teller und Löffel in die Spüle legte und drei Stufen aufeinmal nehmend in mein Zimmer hastete. Ich wusste nicht, wovor es mir mehr graute. Dem Weg zu Julia oder der Aufenthalt dort. Sie würde von früh bis spät von Mikon schwärmen und natürlich würde sie ihn auch auf ihre tolle Party einladen. Hoffentlich gingen die Augen nicht kaputt, wenn man sie zu oft verdrehte denn irgendwie hatte ich das komische Gefühl, dass ich das in nächster Zeit öfters, wie jetzt zum Beispiel tun würde. Mit einem Laut, der halb Stöhnen, halb Seufzen war stieß ich meine Zimmertür auf und ließ mich auf meinen Schreibtischstuhl fallen. Anschließend begann ich, heftig auf meiner Unterlippe kauend mich im Kreis zu drehen und eine Strähne meines schwarzen Haares zwischen Daumen und Zeigefinger zu zwirbeln. Das Leben war echt kompliziert. Bevor ich anfangen konnte, einen Selbstmord zu planen fing mein Handy heftig an zu bimmeln und zu vibrieren. Ein Blick auf das Display reichte, um mich meiner Augenzerstörungsmission wieder ein bisschen näher zu bringen. Anito. Mit einem ergebenem Seufzer hob ich ab. Was wollten sie denn heute alle von mir?
„Hey! Was gibt’s?“, nuschelte ich unmotiviert in das Telefon und mein Freund lachte.
„Du klingst ja sehr begeistert. Wohl nicht dein Tag heute, was?“ Mit drei Schritten war ich bei meinem Bett, warf mich der Länge nach in die Decken und stütze meine Stirn in eine Handfläche.
„Nicht wirklich. Dieser Tag ist die Hölle. Und wie läuft’s bei dir so?“
„Ach, eigentlich ist alles im grünem Bereich. Du solltest dir wegen diesem Typ nicht so nen Kopf machen.“, redete er sanft auf mich ein und ich fing wieder an, meine Haare um meine Finger zu wickeln.
„Es bleibt mir kaum was anderes übrig, fürchte ich.“ Ich seufzte und rollte mich auf den Rücken, sodass ich an die weiße Dachschräge starren konnte. Mein Kumpel gab ein mitfühlendes Stöhnen von sich. Damit verurteilte ich den Tag zum ‚Stöhn und Seufz Tag’.
„Julia, was? Sie wird dich in Grund und Boden quatschen!“ Ich lachte freudlos.
„Ach, das brauchst du mich nicht zu erzählen. In fünf Minuten fahr ich los.“
„Wie lange brauchst du denn ca?“, wollte er plötzlich wissen und ich runzelte die Stirn.
„Keine Ahnung. Ich hoffe nicht so lange. Wieso?“ Mein Misstrauen war unüberhörbar und ich konnte förmlich sehen, wie mein bester Freund den Kopf einzog. Innerlich musste ich bei dieser Vorstellung lachen.
„Naja.. also..“, druckste er herum, bis er endlich mit der Sprache rausrückte. „Tut mir voll Leid, weil du heute eh schon so viel Stress hast, aber vorhin hat die Tanzschule angerufen. Das Fest ist vorverlegt worden und wir sollen da heute Abend aufkreuzen, damit sie die Rollen verteilen und die Kostümprobe machen können.“ Er seufzte noch einmal. „ Tut mir echt Leid.“ In mir brach ein Feuerwerk wilder Freude los. Und ich schloss vor Erleichterung die Augen.
„Oh Gott sei Dank. Dann hab ich ne Ausrede, um früher von Julia loszukommen. Wann geht’s los?“, drängte ich und setzte mich aufgeregt aufrecht hin. Anito lachte laut in den Hörer, sodass es knisterte.
„Also ich hatte mit ein bisschen weniger Elan gerechnet, aber mir soll’s nur recht sein. Ich hab ehrlichgesagt noch keine Ahnung, aber ich kann auch einfach nachher mit meinem Mofa vorbeikommen und dich mitnehmen. Nimmst du dann dein Zeug mit zu Julia oder sollen wir vorher noch schnell bei dir vorbeifahren?“ Ich grinste und warf ein Blick zu meinem weißem Kleid, dass immer noch an meinem Schrank hing.
„Ich glaube, wir fahren lieber noch mal bei mir vorbei. Dann riskiere ich beim Fahrradfahren kein Lock in meinem Kostüm.“ Ich lachte und schüttelte mir zwei Strähnen aus den mandelförmigen Augen. „Klasse, dass du mich abholen kannst, weil ich bin ehrlich gesagt nicht so scharf drauf auf dieser Schlittschuhbahn da draußen Fahrrad zu fahren.“ Er stimmte in das Lachen mit ein.
„Ach, kein Thema. Wenigstens hast du jetzt wieder gute Laune. Wenn Julia zu schlimm wird, ring mich an, dann komm ich dich früher holen.“
„Ich wird’s mir merken. Danke, bis nachher.“ Dann legte ich auf und sprang auf die Füße. Es war schon ganz schön spät geworden und ich hatte wirklich keine Lust bei dieser Glätte wie ein lebensmüder Idiot durch die Straßen zu jagen. Allein schon bei dem Gedanken an diese Eiseskälte da draußen fröstelte ich. Aber das brachte ja alles nichts. Also seufzte ich zum weiß Gott wie vieltem Mal heute und hüpfte strumpfsockig die Treppe hinunter. Gerade ging die Haustür auf und mit einem eisigem Luftzug und jeder Menge Schneeflocken kam Kiyoshi herein.
„Hey Schwesterchen. Wohin des Weges?“, fragte er und sah zu, wie ich Handschuhe, Mütze, Schal, Stiefel und Mantel anzog. Als ich den letzten Reisverschluss zugezogen und Mund und Nase hinter dem Schal verborgen hatte sah ich auf und zwinkerte.
„Ich fahr zu Julia, wobei ich mit Schlittschuhen wahrscheinlich schneller wäre, als mit dem Fahrrad.“ Kiyoshi klopfte sich Schnee von den Schultern und schüttelte denn den Kopf, wie ein Hund, der Wasser aus den Ohren bekommen wollte. Naserümpfend wischte ich mir eine Flocke aus dem Gesicht, die er mit bei der Aktion dahin geschleudert hatte.
„Wohl war. Hey, ich kann dich mitnehmen. Ich fahr gleich rüber zu Layla und wollte nur schnell meine Tasche ablegen.“ Mit diesen Worten warf er eben jene achtlos in eine Ecke und nahm sich seinen Mofaschlüssel vom Haken. Ich grinste.
„Hey das wäre cool.“ Er lachte und riss die Tür wieder auf. Die Kälte traf mich wie ein Schlag ins Gesicht und ich zog unwillkürlich die Schultern hoch und zog den Kopf ein. Es fiel wieder dichter Schnee und der Wind jagte in scharfen Böen durch die Straßen.
„Tolles Wetter!“, reif ich ironisch, doch mein Bruder hörte mich nicht. Rasch stapften wir durch den Schnee und kämpften uns zur Garage vor. Da drinnen war es auch nicht viel wärmer, aber wenigstens Wind und Schnee geschützt. Wortlos reichte Kiyoshi mir meinen Helm, den ich rasch aufsetzte, dann schob er stöhnend das Garagentor auf.
„Wir müssen verdammt aufpassen. Man sieht die Hand kaum vor Augen. Naja, wenigstens ist es nicht mehr so glatt.“ Damit setzte er ebenfalls seinen Helm auf und setzte sich auf das Motorrad. Ich kletterte hinter ihn auf den Sitz und klammerte mich an ihm fest. So wurde ich auch noch vor Wind geschützt.
„Hast du schon mitgekriegt? Die Tanzschule hat angerufen!“, rief ich über den Wind, der an allen Läden und Toren rüttelte hinweg. Kiyoshi reckte den Daumen nach oben und grinste, zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Kurz darauf war weiter Kommunikation unmöglich, da zusätzlich zu dem Wind auch noch der Motor des Motorrads aufheulte.
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Yhji
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Sa Okt 17, 2009 11:10 pm

Ich versteckte Mund und Nase in meinem Schal und vergrub mein Gesicht schützend in seiner Jacke. Das ich einen Helm aufhatte und dies deshalb völlig überflüssig war vergaß ich. Kurz darauf machte das ganze Gefährt einen Ruck und mit knatterndem Motor rasten wir hinaus auf das Glatteis. Mein Bruder hielt den Lenker mit aller Kraft umklammert und trotzdem schwankten wir auf der glatten Straße.
„Verdammt! Hoffentlich dreht das Rad nicht durch!“, fluchte Kiyoshi, bemüht uns auf einer Spur zu halten. „Und wenn es nicht bald aufhört so stark zu schneien fahr ich irgendwo gegen!“, setzte er noch nach, als er eine Vollbremse machen musste, bei der das Hinterrad herumschlitterte, um nicht gegen ein parkendes Auto zu fahren.
Der Rest der Fahrt verlief nicht weniger abenteuerlich. Alle fünfzig Meter musste Kiyoshi bremsen oder eine rasante Kurve wagen, um nicht irgendeinen Laternenpfahl oder Auto umzunieten. Aber letzt endlich kamen wir zu meiner Verwunderung völlig heil bei Julia an. Das Schneetreiben war nicht lichter geworden und auch der Wind hatte nicht nachgelassen. Also setzte ich nur schnell den Helm ab, schnallte ihn auf den Rücksitz klopfte meinem Bruder auf die Schulter und rannte dann über die Straße auf das kleine gelbe Häuschen zu, dass hinter einem weißem Zaun und einem Wall aus Schnee kauerte.
Ich hörte noch, wie sich das Motorrad knatternd entfernte, dann nahm ich nur nach das Heulen des Windes wahr. Ich schlang die Arme um den Körper und zog den Kopf ein, um möglichst wenig Kälte und Schnee an mich ranzulassen, dann stieß ich mit einer Hand das Gartentürchen auf und stolperte rasch zur Haustür. Mein Gesicht schmerzte vor Kälte und ich klingelte Sturm.
Die grüne Holztür sprang auf und im nächstem Moment zerrten mich zwei kleine Hände ins Warme und schlossen die Tür hinter mir. Erleichtert schnappte ich nach Luft und blinzelte die Schneefocken, die an meinen Wimpern hingen weg.
„Haná!“, quietschte da eine kindliche Stimme und jemand versuchte, die Arme auf Höhe meiner Hüfte um mich zu schlingen. Amüsiert ging ich in die Knie und knuffte Julias kleinen Bruder sacht gegen die goldenen Wange. Er sah ihr echt unglaublich ähnlich. Auch seine mandelförmigen Augen waren von dichten schwarzen Wimpern umrahmt und er hatte die gleiche Stupsnase.
„Hey Hiyo! Wie geht’s?“, grinste ich und begann, meinen Schal abzuwickeln. Der Knirps hüpfte um mich herum, während ich meinen Mantel auszog.
„Ganz gut! Spielt ihr heute mit mir? Soll ich meine Schwester holen?“, plapperte er los und während ich lächelnd meinen Mantel aufhängte rannte er zu der schmalen Holztreppe. „JULIA!“, brüllte er und ich hörte eine gedämpfte Antwort. Ich ging den schmalen, holzgetäfelten Gang entlang, wuschelte Hiyo durchs Haar und rannte dann drei Stufen auf einmal nehmend die Treppe hinauf.
Meine Freundin kam mir auf der Hälfte des Weges entgegen und umarmte mich so stürmisch, dass ich fast umgefallen wäre.
„Endlich Haná! Man hab ich einen Stress ich bin ja so froh, dass du mir helfen kannst! Ich hab schon alles vorbereitet und uns auch ein paar Plätzchen arrangiert.“, verkündete sie mit einem breitem Grinsen. Den letzten Satz hatte sie bereits über die Schulter gesagt und ich hatte ale Hände voll zu tun, um mit meiner übermotivierten Freundin Schritt zu halten.
Kaum hatten wir ihr vollgestopftes, nach Zimt riechendes Zimmer erreicht, als sie sich schon auf die Couch fallen ließ und ungeduldig neben sich klopfte. Meinem Schicksal ergeben ließ ich mich neben ihr nieder und starrte zu de kleinen mit Postern bepflasterten Tür, durch die Hiyo seinen Kopf hereinsteckte.
„Julia? Darf ich mitmachen?“ Mit drei Schritten war sie bei der Tür.
„Später vielleicht!“ Damit knallte sie die Tür zu und drehte sich mit leuchtendem Gesicht zu mir um. Ich hatte in der Zwischenzeit unauffällig das Dachschrägenfenster geschlossen, um die Karten, die darunter lagen vor dem Schnee zu schützen, Außerdem war mir immer noch kalt. Ich versteckte die Hände in meinen Pulliärmeln, biss mir auf die Lippe und grinste.
„Jetzt komm schon! Am besten wir fangen gleich an. Ich hab nachher noch Tanztraining in der neuen Schule und ich dachte wir wollten noch einiges erledigen.“, drängelte ich sie und sie grinste, schnappte sich ein Plätzchen und ließ sich mit Block und Stift bewaffnet neben mir auf das Polster krachen.
„Okay. Also ich dachte, dass wir das ganze natürlich unten im Partykeller machen. Aber was sollen wir essen und wie sollen wir das dekorieren?“ Ich grinste. Das war schon immer das Problem gewesen.
Die nächsten zwei Stunden diskutierten wir über Essen und Deko, verbrauchten mindestens hundert Blockblätter, die letztendlich alle zerknüllt im Mülleimer gelandet waren, bis wir endlich ein Ergebnis hatten, mir dem wir zufrieden waren. In der Zeit hatten wir eine Kanne heißen Kakao getrunken und eine Kiste Plätzchen verputzt. Nun hingen wir kichern und voller Brösel auf der Couch und als wir uns wieder einigermaßen beruhigt hatten kamen die Gäste dran.
Julia schob sich eine Strähne aus der Stirn und zückte unheilverkündend den Bleistift.
„Also ich hab gedacht, das wir die ganze Klasse einladen. Das wird reichen. Außerdem isses dann nicht so auffällig, wenn ich auch Mikon eine Einladung gebe.“ Ich stöhnte innerlich. Nun waren wir wirklich bei dem Thema angelangt, das ich bisher zu vermeiden suchte. Sie grinste mich an. „Ich dachte das wäre eine perfektre Gelegenheit ihn ein bisschen besser in unsere Klassengemeinschaft einzubinden. Dann hat er das Gefühl, richtig dazuzugehören. Ist das nicht eine tolle Idee?“, juchzte sie und ich wiederstand dem Drang die Augen zu verdrehen.
„Ja, er wird sich sicher freuen.“, murmelte ich und selbst Julia konnte in ihrer Naivität das nicht als unterdrückte Freude abstempeln. Also runzelte sie die Stirn und sah mich komisch an.
„Ich hab das Gefühl du kannst ihn nicht sonderlichgut leiden. Was magst du denn nicht an ihm?“, wollte sie streitlustig wissen und ich wusste genau, dass es keinen Zweck hatte, sich hier auf eine Diskussion mit ihr einzulassen, also behauptete ich nur:
„Hm, er ist nicht so mein Typ...“ Das schien ihr sogar ein bisschen zu gefallen, aber sie hob den Finger.
„Das ist doch kein Grund so unfreundlich zu sein. Sei doch ein bisschen netter.“, forderte sie und wedelte streng mit ihrem Zeigefinger vor meiner Nase herum. Ich nickte nur artig und zog die Beine an. Schon verfiel meine Freundin in ihre Schwärmerei. „Ach, du hättest in der Pause auch da sein sollen. Er war so interessiert und wollte alles genau wissen und er hat fast immer mich gefragt und er hat mich auch immer so angesehen. Vielleicht steht der ja auf mich. Stell dir das mal vor, der Filmstar und ich, das wäre doch genial oder?“ Sie wollte wohl keine Antwort hören, sondern plapperte gleich weiter. „Ach und er sieht ja so gut aus und ich muss ihn unbedingt mal fragen, ob er mit mir ausgehen will. Wahrscheinlich ist er nur zu schüchtern und hätte mich am liebsten auch schon gefragt.“ Ich kannte diese Art von Spinnereien und hatte mich bis jetzt höflich zurückgehalten, doch nun konnte ich das nicht mehr, denn mit ungläubig geweiteten Augen hatte ich ihren letzten Kommentar zur Kenntnis genommen.
„Mensch Julia! Ihr kennt euch doch noch nicht mal gescheit.“, erinnerte ich sie, doch sie sah mich nur mit einem verträumten Gesichtsausdruck an. Ich glaubte nicht dass sie mir zugehört hatte. Ich seufzte. „Ich geh mal kurz aufs Klo.“ Meine Freundin nickte abwesend und zerrupfte einen Zettel zwischen den Fingern. Ich stand auf, balancierte um einige Bücher, die achtlos auf den Boden geworfen waren herum und öffnete die Tür. Kaum war ich im Bad, als ich auch schon mein Handy herausholte und Anitos Nummer wählte. Ich musste keine fünf Sekunden warten.
„Hey Haná! So schlimm?“, knackte die mitfühlende Stimme meines Freundes durch den Hörer und ich seufzte.
„Ja. Bitte beeil dich. Dann sind wir halt ein bisschen früher dran. Aber das nimmt hier echt überhand und sie hat gerade losgelegt.“, stöhnte ich und hörte im Hintergrund, wie Anito die Treppe hinuntersprang.
„Okay gut bis gleich Kleine.“ Dann legte er auf und ich klappte erleichtert mein Handy zu. Auf Anito konnte man sich immer verlassen und für Julia-Fluchten war er einfach genial. Ich ging noch schnell aufs Klo, dann ging ich zu Julia zurück, die während meiner Abwesenheit den ganzen Block mit Herzchen vollgekritzelt hatte.
„Mit wem hast du denn geredet?“, wollte sie wissen und legte den Stift weg. Ich bleib unschlüssig stehen und spielte mit dem Saum meines Pullis.
„Anito hat angerufen. Er kommt in ca. fünf Minuten.“, erklärte ich nicht ganz wahrheitsgemäß und meine Freundin warf den Block in die Ecke.
„Mist, jetzt wollte ich dir noch erzählen, wie ich Mikon seine Msnadresse abjagen wollte. Naja kann man nichts machen.“ Ich lächelte sie an und bemühte mich, meine Erleichterung, so einem heiklem Thema entgangen zu sein zu verbergen. Rasch drehte ich mich zur Tür.
„Ich geh mich schon mal anziehen. Wir sollten uns beeilen.“ Dann rannte ich die Treppe hinunter. Hiyo hatte nur darauf gewartet und heftete sich an meine Fersen.
„Gehst du schon? Ich dachte, wir wollten noch alle was zusammen spielen!“, beschwerte er sich und ich grinste.
„Sorry Hiyo, aber die Pflicht ruft.“ Der kleine Junge wurde von seiner Schwester eingeholt.
„Hast du ein Date?“, wollte er mit großen Augen wissen und Julia lachte.
„Ja mit ihrer Tanzschule.“ Ich lachte und zog meine Stiefel an. Julia lehnte sich an den Türrahmen, legte ihrem Bruder die Hand auf die Schulter und beobachtete mich.
„Ich hab dich am Ball mit einem coolen Jungen gesehen. Woher kennst du den denn?“ Sie grinste, als sie sah, dass ich rot wurde und zwinkerte. „Uuu läuft da was?“ Ich boxte ihr in die Seite und lachte verlegen.
„Ach halt die Klappe.“ Sie hob triumphierend die Augenbrauen und lehnte sich grinsend vor.
„Also echt? Man! Da hast du dir aber einen tollen Kerl geangelt. Wenn Mikon nicht wäre, wäre ich direkt neidisch.“ Ich hüpfte auf einem Bein, während ich versuchte meinen Stiefel anzuziehen.
„Wir sind nur befreundet.“, erklärte ich lachend und wickelte mir meinen Schal um. Meine Freundin verschränkte lächelnd die Arme.
„Noch, meine Liebe!“, verkündete sie und wurde von der Türklingel vor meiner Entgegnung gerettet.
„Ich mach auf!“, quietschte Hiyo und rannte zur Tür, obwohl ich nicht mal eine Armeslänge von ihr entfernt stand. Er riss die Tür auf und eisige Luft strich durch den Flur. „Hallo Anito!“, rief der Kleine. Mein Freund war hier durch den häufigen Abholservice bereits bekannt. Er trat ein und schüttelte sich ein paar Schneeflocken aus den Haaren.
„Hey ihr! Komm schnell Haná! Wir sind spät dran!“, rief er und warf noch einen Blick auf die Uhr. Anito war einfach der beste. Er dachte immer mit. Ich zog noch schnell meine Mütze auf, umarmte Julia, wuschelte Hiyo über den Kopf und flüchtete mich an Anitos Seite in die Kälte. Der Schnee fiel immer noch dicht, aber nun langsam und gerade, da zumindest der Wind aufgehört hatte zu blasen. Trotzdem war es lausig kalt. Ich schlang die Arme um den Körper, als wir uns knirschend der Straße näherten.
„Danke Anito. Du bist echt der Beste!“, brach ich schließlich die Stille und mein Kumpel zwinkerte.
„Ach kein Problem. Du hast mich ja schon vorgewarnt und so war ich die ganze Zeit startklar.“ Er tat es mit einer lässigen Handbewegung ab. Ich sah an ihm hinunter. Er sah nicht gerade so aus, als hätte er eine Motorradfahrt hinter sich.
„Womit bist du gekommen?“, fragte ich schließlich und er wedelte triumphierend mit einem Autoschlüssel vor meiner Nase herum. Ich schüttelte ungläubig grinsend den Kopf. „Hey. Du darfst doch noch gar nicht fahren!“, erinnerte ich ihn und er zwinkerte.
„Ja ist mir klar, aber ich hatte ja schon genug Fahrstunden und bei dem Wetter konnte ich dich echt nicht mit dem Motorrad abholen! Wir wären ja erfroren!“ Da musste ich ihm absolut Recht geben und wir überquerten die spiegelglatte Straße möglichst schnell.
Auch wenn ich nicht besonders lange draußen gewesen war zitterte ich schon wieder und war über die Sitzheizung, die das Leder in meinem Rücken und auf der Sitzfläche wärmt überaus dankbar. Der surrende Motor war angenehm leise und während ich mir noch Mütze und Handschuhe auszog reihte sich mein Kumpel in die Autoschlange ein, die vor der nächsten roten Ampel staute.
„Ein Glück, dass wir schon so früh fahren. Wir kommen grad voll in den Berufsverkehr.“, teilte Anito mir hilfreich mit und trommelte mit den Fingern auf dem Lenkrad herum. Ich grinste und setzte mich auf meine kalten Hände, um sie ein wenig zu wärmen.
„Weißt du eigentlich, wo wir genau hinmüssen?“ Er sah auf und grinste.
„Na klar, ist ja nicht sonderlich schwer zu finden. Immerhin fahr ich da jeden Tag vorbei, wenn ich in die Schule geh und wünsche mir, dass ich da mal tanzen darf. So was vergisst man nicht so schnell. Ich kenn ja wohl meinen Heimweg.“ Ich verdrehte die Augen,
„Schon gut. Ich glaub’s dir.“ Wir fuhren an und die Scheibenwischer kamen kaum mit dem Schneeentfernen nach und ich fühlte mich noch wohler, wenn ich daran dachte, dass ich auch mit dem Motorrad da draußen um die Wege sein könnte. Layla und Kiyoshi, die wahrscheinlich beide auf diesem Weg zu der Tanzschule kamen taten mir wirklich leid.
Kaum zehn Minuten später heilten wir an einem freiem Parkplatz vor dem altem Gebäude, in dem wir Unterricht haben sollten. Ich hatte es schon immer bewundert. Es war das älteste Haus in der Stadt. Die ausladende Treppe führte zu einer großen Holztür, die mit aufwendigen Schnitzerein aus der Barockzeit verziert war und auch das restliche Haus war sehr im Barockstil gebaut. Aufwändig, kitschig und verschwenderisch. Von drinnen hatte ich es bisher allerdings noch nie gesehen.
Anito warf einen Blick auf die Uhr. „Glaubst du, wir können schon rein? Vielleicht dürfen wir bei der laufenden Probe zusehen. Wir haben ja noch eine halbe Stunde Zeit. Sie üben glaub ich gerade das Musical, bei dem wir den Tanzpart übernehmen sollen.“ Daran hatte ich noch gar nicht gedacht und drehte mich so um, dass ich ihn anstarren konnte.
„Was für ein Stück?“; wollte ich wissen und er legte die Stirn in Falten.
„Ähm.. ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, Aschenputtel. So viel ich weiß sollen wir auf dem Ball mittanzen, als die Stiefschwestern und ihre Leute. Also sozusagen als zweite Hauptrollen.“ Ich ließ mich in den Sitz zurückfallen und lachte.
„Juhu ich bin die böse, hässliche Stiefschwester.“ Er grinste ebenfalls.
„Nirgendwo steht geschrieben, dass sie hässlich ist. Nur dass sie nicht so hübsch ist wie Aschenputtel. Und du musst ja auch nichts sagen, du musst nur den Tanzpart übernehmen.“ Ich lachte wieder und hatte schon eine Hand am Autotürgriff. „Komm, lass uns nachsehen, vielleicht dürfen wir ja wirklich zusehen.“ Wir stiegen aus und liefen rasch hoch zu der Hohen Tür und öffneten sie. Ich riss die Augen auf. Drinnen sah es genauso aus, wie das äußere es vermuten ließ. Eine aufwendig gestaltete Eingangshalle, an deren Decke ein Kronleuchter hing. Eine hohe, Doppelflügeltür führte in den Saal, aus dem laute Musik und Gesang drang. Ein Mann in weißer Uniform hatte uns inzwischen entdeckt und kam mit einem wohl sehr gut antrainierten, freundlichem Lächeln zu uns hinüber.
„Entschuldigen Sie, kann ich Ihnen helfen?“ Anito lächelte freundlich und legte mir eine Hand auf die Schulter.
„Das hoffe ich. Wir sind hier, wegen der Tanzrollen und sind ein bisschen früh dran. Deswegen wollten wir fragen, ob wir vielleicht zusehen dürfen.“ Die Mine des Mannes änderte sich augenblicklich. Sein routiniertes Lächeln wurde nun offen und herzlich.
„Ach, dann sind Sie zwei von den vier Kandidaten, die die Rolle der Stiefschwestern und ihren Partnern übernehmen sollen?“ Wir nickten und er klatschte erfreut in die Hände. „Herzlich willkommen. Selbstverständlich dürfen Sie zusehen. Eine Sekunde noch. Geben Sie mir bitte Ihre Mäntel.“ Beeindruckt von dem Service reichten wir ihm unsere Mäntel und gingen dann schüchtern und neugierig über das Parkett zu der Tür. Wir öffneten sie nur einen Spalt breit und schlüpften rasch hindurch, um die übenden nicht zu stören.
In genau dem selben Moment klappte uns der Mund auf. Wir standen genau gegenüber von der hölzernen Bühne. Rote, bequem aussehende Sitze zogen sich stufenartig nach unten zum Rand der Bühne. Es mussten unendlich viele sein und in der vorderen Reihe saßen nur drei Leute mit dem Rücken zu uns. Aber für al das hatte ich gar keine Augen. Mein Blick war staunend auf die Bühne gerichtet, wo ein Mädchen gerade laut zu einem Mann hinsang, beide von farbigen immer wechselnden Scheinwerfern angestrahlt und von Rauch umhüllt. Im Hintergrund stand ein zwanzig Köpfiger Chor, der den Hintergrund sang und hinter dem samtrotem Vorhang war das Orchester deutlich zu hören.
Möglichst unauffällig schlichen wir nach vorne und setzten uns in die vierte Reihe. Nun waren der Mann und das Mädchen in ein Duett übergegangen und reichten sich die Hände, Das Mädchen war einfach unbeschreiblich schön und konnte fast genau so gut singen. Der Mann war auch sehr gutaussehend und seine weiche Stimme passte perfekt zu der klaren und reinen des Mädchens.
Eine Frau aus der ersten Reihe stand auf und klatschte Laut in die Hände. Sie hatte sich ihr schwarzes Haar hochgesteckt und trug eine blaue Bluse mit passendem Rock. Von hinten sah sie genauso aus, wie die strengen Lehrer in deinem Bilderbuch. Die Beiden Sänger waren wohl gerade sowieso fertig geworden und sahen gespannt auf sie hinunter. Ihre laute und gebieterische Stimme war so laut, dass man sie bestimmt in der hintersten Ecke des Raumes hören konnte. Mir entging nicht, dass die Brust des Mädchens sich unter ihrem Keuchen schnell hob und senkte. Schweißperlen glitzerten auf ihrer Stirn.
„Sehr gut Joanna! Toby, du musst noch ein bisschen verleibter schauen, wenn ihr euch die Hände gebt, Immerhin hast du gerade erkannt, dass sie die Liebe deines Lebens ist.“ Der junge Mann grinste und nickte. Die Frau stellte sich auf die Zehenspitzen und wedelte in Richtung des Chors. „Ihr dahinten könnt ruhig ein bisschen lauter sein. Ihr habt ja kein Mikrophon. Euch hört man nicht so gut. Bravo an das Orchester. Sehr schön gespielt. So und jetzt holt alle mal Luft.“, befahl sie und drehte sich lächelnd um. „Dieses Stück wird ein voller Erfolg..“, murmelte sie mehr zu sich selbst und die Lachfältchen um ihre Augen vertieften sich. So streng, wie sie gewirkt hatte sah sie von vorne gar nicht aus. Ihr Gesicht war durchaus Liebenswürdig und auch die anderen schienen gut mit ihr klar zu kommen. Sie setzte sich wieder und sprach mit dem Mann neben ihr, während sich die Situation auf der Bühne merklich entspannte.
Joanna, wie das Mädchen wohl hieß lacht über irgendetwas, was Toby gerade zu ihr gesagt hatte und trank dann aus einer Wasserflache, die ihr gerade eine vom Personal gebracht hatte. Hinter dem Vorhang trat ein ganzer Trupp Leute hervor, die wohl die Instrumente gespielt oder eine Rolle, die gerade nicht vorgekommen war, gespielt hatten. Auch der Chor zerstreute sich rasch und mir viel auf, dass es fast nur Leute um die Zwanzig rum waren. Bis jetzt hatte uns noch niemand bemerkt und wir hatten nicht das Bedürfnis, die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Wir waren viel zu befangen von dem Treiben in diesem Raum.
Das Ganze dauerte noch fünf Minuten, dann stand die Frau wieder auf und klatsche in die Hände. Sofort war es wieder Mucksmäuschen still. „Gut, dann machen wir gleich weiter. Ich hätte gerne, dass wir den ersten Akt singen. Da, wo Aschenputtel putzt und von ihren Stiefschwestern und ihrer Stiefmutter geplagt wird.“, erklärte sie und sofort verzog sich Toby mit den Orchesterleuten hinter die Bühne. Zwei Mädchen, die ca. siebzehn sein durften, eine ältere Frau und außerdem Joanna bleiben auf der Bühne zurück. Der Chor wurde diesmal wohl nicht gebraucht, denn er verschwand hinter dem Vorhang. Joanna trat vor und sah direkt in den Raum hinein. Dann ging der Scheinwerfer an, während Utensilien auf die Bühne geschoben wurden. Eine elegante Couch, auf der sich die Stiefschwestern niederließen. Sie taten so, als würden sie Sticken, während die Stiefmutter in einem Sessel saß und las. Auf dem Boden stand ein Holzeimer, mit einem Scheuerlappen.
Die Frau, die hier wohl das Sagen hatte nickte Joanna zu, die daraufhin anfing zu sprechen,.
„Vor vielen Jahren war mein Vater an einer schrecklichen Krankheit verstorben und ließ mich bei meiner geizigen Stiefmutter und ihren hinterhältigen Töchtern zurück. Sie nutzen mich aus und ich arbeitete, ohne mich zu beklagen, auch wenn sie nie zufrieden waren.“ Das Mädchen kniete sich hin und nahm den Scherlappen in die Hand und fing an mit gesenktem Kopf den Boden zu schrubben. Da legte die Stiefmutter ihr Buch beiseite und fing mit einem hohem trällerndem Gesang an.
„Oh, warum bist du immer so faul und schlampig!“, schalt sie Aschenputtel singend und die Stiefschwestern sahen von ihren Stickerein auf und begannen sich zweistimmig zu beschweren.
„Oh ja! Immer vergisst sie unser Kissen auszuklopfen. Du solltest sie schlagen Mutter!“ So ging es eine Weile weiter. Die Mutter warf Aschenputtel immer wieder etwas vor, was sie nicht getan hatte und die Geschwister sangen dann immer die gleiche Strophe, doch Joanna sagte nichts.
Die Zeit verging wie im Flug. Plötzlich verstummten alle auf der Bühne und sahen wieder, auf ein Urteil wartend zu der Frau hinab. Sie stand auf und klatschte abermals in die Hände. Genau in diesem Moment ging oben die Flügeltür auf und mindestens zwanzig Leute kamen schwatzend herein und die Frau drehte sich um.
„Ah, da sind ja endlich meine Tänzer. Vielen dank, ihr da oben. Das war sehr gut. Ihr könnt jetzt Pause machen. Willkommen!“, rief sie wieder an die Menge gewandt. Die meisten schien sie zu kennen. Da lösten sich Kiyoshi und Layla aus dem Menge. Beide sahen ziemlich zerzaust aus. Mein Bruder warf mir eine Tüte zu und ich fing sie auf.
„Hi ihr Beiden!“, begrüßte er uns und grinste. „Du hast dein Kleid zuhause vergessen. Ich dachte, ihr wolltet noch einmal vorbeikommen!“, lachte er und ich schlug mir die Hand vor den Mund.
„Oh Gott, danke!“, stieß ich hervor und umarmte Layla.
„Das Kleid wirst du heute eh nicht brauchen!“, erklärte einer der vorbeilaufenden Tänzer freundlich. „Wir tanzen heute noch nicht. Heute werden nur die Kostüme anprobiert.“ Dann ging er weiter. Alle strömten zu der Bühne und weil wir keine Ahnung hatten, was wir sonst machen sollten, reihten wir uns einfach ein.
Als wir schließlich alle ordentlich in einer Reihe oben standen trat die Frau vor uns und lächelte.
„Herzlich willkommen. Ich bin Frau Oy’sa. Die Meisten von euch kennen mich ja eh schon.“ Ihre Blicke wanderten zu uns. „Wir haben nur vier neue, die sie Rolle der Stiefschwestern und ihrer Partner übernehmen werden. Kiyoshi, Layla, Haná und Anito. Ich wünsche, dass ihr ihnen ein bisschen helft, sich hier zurechtzufinden. Wir stellen uns jetzt nicht ale vor, das dauert zu lange. Aber wir haben neue Kostüme und genau deswegen hab ich euch herbestellt. Geht bitte hinter die Bühne und probiert sie an. Hopp hopp!“ Ein wenig überrumpelt liefen wir einfach den anderen nach, die hinter den Vorhang verschwanden.
Dort war eine riesige Gardarobe. Alles war voller Kostüme und Leuten, die diese wohl anpassten. Eine davon kam sofort auf mich zugewuselt. Sie kannte wohl alle anderen und hatte deswegen erkannt, dass ich eine der neuen war.
„Hallo! Bist du eine der Neuen? Wie heißt du?“, begrüßte sie mich freundlich, während sie mich schon hinter sich herschleifte. Ein wenig perplex antwortete ich schüchtern: „Haná.“ Das reichte ihr wohl vollkommen, denn sie schnappte sich sofort ein Kleid von dem nächstem Haken.
„Ah, Stiefschwester Nummer zwei. Schau mal, ob du da reinpasst.“ Sie reichte mir das Kleid, dass perfekt zu dem Stück passte, dass ich aber sonst nie angezogen hätte. Es war ein typisches Auftrittskleid. Es handelte sich um ein Knielanges, rotes Kleid mit Tüllrüschen und Puffärmelchen. Dazu gab es sogar passende, unterarmlange Handschuhe. Die Frau half mir in den knisternden Stoff und zog den Reißverschluss zu, dann ging sie mit nachdenklichem Gesichtsausdruck ein paar mal um mich herum, ehe sie ein paar Stecknadeln holte und sie an die Seite steckte. „Wir müssen die Talje schlanker schneiden. Du bist so dünn. Die Handschuhe dürften passen.“ Während sie noch murmelnd Nadeln in das Kleid steckte sprach mich ein Mädchen, das gerade eine sehr hübsches, weißes Kleid angepasst bekam an.
„Hallo. Du bist eine der Neuen, stimmts?“, fragte sie, wollte aber wohl keine Antwort haben, denn sie redete sofort weiter. „Ich bin Kate. Ich bin eigentlich Engländerin, aber vor meiner Geburt sind meine Eltern hier her gezogen. Wie heißt du?“ Ein wenig eingeschüchtert von ihrer Redseligkeit und auch ein wenig belustigt nannte ich ihr meinen Namen. Sie lächelte.
„Du musst echt verdammt gut sein, wenn Oy’sa dich in eine der Hauptrollen gesteckt hat. Ich habs bis heute nicht geschafft. Ich bin nur die Frau des Kutschers vom Prinz. Ich komm so gut wie nie vor, bin aber eigentlich immer bei den Backgroundtänzern dabei.“ Sie lehnte sich vor und sprach leise in verschwörerischem Ton weiter. „Wart nur bis du Saya kennen lernst. Sie tanzt Aschenputtel und bildet sich da was drauf ein..“ Sie beschwerte sich weiter, aber ich schaltete auf Durchzug. Ich hatte so das Gefühl, dass Kate eine von den Leuten war, die sich aus Neid über andere Leute lustig machte. So was konnte ich nicht ausstehen. Stattdessen hielt ich nach Kiyoshi, Layla und Anito Ausschau, aber zwischen den bunten Kleidern und den vielen Menschen konnte ich sie nicht entdecken. Aber ich sah Frau Oy’sa, die durch die Menge lief und hier und da stehen blieb, um ein Kostüm zu beurteilen.
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Yhji
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   So Okt 18, 2009 6:37 pm

Dann aber viel mein Blick auf einen blonden Haarschopf, der gar nicht zu den restlichen schwarzen passte. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um das Mädchen, zu dem die goldene Haarpracht gehört besser sehen zu können.
Sie stand ein wenig abseits von den anderen und bekam gerade, ein knielanges, schlichtes, weißglitzerndes Kleid angepasst. Ihr langes, blondes Haar fiel Ihr in glänzenden Locken bis zur Talje. Sie viel hier auf, wie ein Rosenquarz unter Onyx. Ihre Haut wies nicht den üblichen Goldton auf, sondern war sehr hell mit einem Stich ins Braun. Auch sonst passte sie hier nicht her. Ihr Gesicht war viel schmaler und feiner geschnitten, als die von uns und ihre Augen waren nicht mandelförmig und von einem strahlendem Grün. Das dies Judy, die Tänzerin des Aschenputtels war, musste mir absolut keiner sagen.
Kate folgte meinem Blick und nickte abfällig. „Genau, das ist Judy, die eingebildete Ziege.“ Ich überging ihre Bemerkung und ließ das Mädchen, dass sich nun lachend mit Oy’sa unterhielt nicht aus den Augen.
„Ich find sie sehr schön. Aber sie kommt nicht aus Asien, oder?“ Kate verdrehte gelangweilt die Augen.
„Ja, sie ist bildhübsch und kommt aus Amerika. Aber sie spricht fließend japanisch. Alle halten sie für den Superstar.“ Ich kniff die Augen zusammen und wandte mich endlich zu Kate.
„Wie kommt es, dass sie hier mittanzt, wenn sie so weit weg wohnt?“, wollte ich wissen und diesmal antwortete die Frau, die immer noch Nadeln in mein Kleid steckte.
„Sie hat ein Angebot von der Tanzschule hier bekommen, nachdem sie einige Wettkämpfe gewonnen hat und da dies hier ja wohl eine der bekanntesten und besten Schule der Welt ist hat sie das Angebot natürlich sofort angenommen.“ Sie steckte eine letzte Nadel in mein Kleid und half mir dann, es wieder auszuziehen. „Okay, das müsste so passen. Du sollst mit deinen drei Freunden nachher noch auf der Bühne warten. Sie will euch die wichtigsten Leute vorstellen.“ Ich bedankte mich, nickte Kate zum Abschied zu und schlängelte mich durch die Menge zum Bühneneingang.
Auf der Bühne wartete bereits Layla, die gelangweilt am Rand saß und mit den Beinen baumelte. In der Hand hatte sie meine Tüte mit meinem Kleid.
Ich nahm sie ihr aus der Hand und setzte mich neben sie. „Hey! Wieso bist du schon so schnell fertig?“, fragte ich und sie grinste.
„Ach, mir hat das Kleid gepasst. So ein hässliches rotes Teil mit Rüschen und Puffärmelchen, aber ich denke, du hast eh das Gleiche.“
„Oh ja. Es ist wirklich nicht gerade schön, aber hierzu passt es einfach.“ Sie nickte und um die Stille zu unterbrechen fragte ich schnell: „Hast du schon Aschenputtel gesehen?“
Meine Freundin hob die Brauen.
„Die singende?“ Ich schüttelte rasch den Kopf. „Nein, die Tanzende.“ Sie runzelte angestrengt die Stirn, dann zog sie die Nase kraus.
„Nee, ist mir nicht aufgefallen.“ Ich sog zischend die Luft ein und als sie mir einen fragenden Blick zuwarf lehnte ich mich auflachend zurück.
„Es ist schwer vorstellbar, dass sie jemand übersehen könnte.“, erklärte ich und als sie immer noch so ratlos dreinsah machte ich nur eine wegwerfende Handbewegung. „Warte einfach, bis du sie siehst.“
Allmählich kamen vereinzelte Leute hinter dem Vorhang hervor und gingen gleich, oder warteten noch auf Jemanden. Nach zwanzig Minuten dünnte der Strom der gehenden Tänzer allmählich aus und zum Schluss war nur noch eine Hanf voll Leute auf der Bühne, zu denen Layla, Anito, Kiyoshi und ich gehörten.
Endlich betrat Oy’sa die Bühne und breitete lächelnd die Arme aus. „Hallo, hallo! Ich hatte noch gar nicht richtig die Möglichkeit euch zu begrüßen. Schön, dass ihr hier mitmachen könnt. Ich will euch gleich mal alle vorstellen. Machen wir doch einfach einen Kreis und alle sagen, wie sie heißen und welche Rolle sie tanzen.
Schweigend setzten wir uns im gedämpften Licht auf das Parkett in einen Kreis. Frau Oy’sa fing an.
„Ich heiße Frau Oy’sa und helfe bei der Organisation des Ganzen. Ich hoffe, dass ihr wirklich so gut tanzt, wie meine Partner es versprochen haben.“ Sie faltete die kleinen Hände und sah zu dem Jungen neben ihr. Er sah ziemlich gut und sympathisch aus. Als er sich vorstellte sah er vor allem uns Vier an.
„Ich bin Kay. Ich tanze die Rolle des Prinzen.“ Er lächelte. Das Mädchen, dass neben ihm saß hatte vorhin Aschenputtel gesungen. Auch sie wirkte sehr sympathisch.
„Ich heiße Joanna und bin die Schwester von Kay. Ich singe, wie ihr vielleicht schon mitgekriegt habt die Rolle des Aschenputtel.“ Sie grinste und legte den Kopf schief. Die zwei neben ihr waren die Beiden, die die Stiefschwestern gesungen hatten. Die eine hieß Saya, die andere Anna. Sie waren aber keine echten Geschwister und sahen sich nicht sonderlich ähnlich. Beide sahen ganz nett aus, wenn auch nicht gerade übermäßig. Der Sänger vom Prinz, Toby, war ein wenig schüchtern, aber nicht unfreundlich.
Endlich waren wir an der Reihe und stellten uns rasch vor. Ich versuchte, während ich sprach möglichst nicht in die Gesichter derer zu sehen, die mich anstarrten.
Zum Schluss wollte Oy’sa die ‚Versammlung’ schon beenden, als sie abrupt inne hielt.
„Beinahe hätten wir Judy vergessen. Judy!“, rief sie nun und klatschte laut in die Hände. Die Antwort kam gedämpft hinter dem Vorhang hervor.
„Tut mir Leid, ich bin noch nicht fertig... Aber ich komm mal!“ Nur ein paar Sekunden später trat sie hinter dem Vorhang hervor und meine Freunde schnappten nach Luft. Jetzt verstand Layla vermutlich, was ich gemeint hatte. In Judys Kleid steckten noch Nadeln, aber sie schien sich nicht darum zu kümmern, als sie sich neben Toby setzte.
„Hallo. Tut mir Leid, dass es so lange dauert. Äh..“ Sie stockte kurz und sah uns an. „Wie heißt ihr bitte? Ich habs nicht mitgekriegt.“ Von ihrem Lächeln angesteckt stellten wir uns vor. Sie grinste.
„Hi. Schön, dass ihr mitmachen könnt. Ich bin Judy und“, sie hob wegen der Offensichtlichkeit ihrer Rolle die Arme. „Tanze die Rolle des Aschenputtel.“ Die Regisseurin bedachte sie mit einem Liebevollem Blick.
„Danke ihr alle. Ihr dürft jetzt gehen. Wie ihr alle wisst ist unsere Aufführung in einem Monat und bis dahin haben wir jeden Tag Training. Ihr werdet sehen, das wird wunderbar!“ Sie klatschte abermals in die Hände und machte dann eine scheuchende Handbewegung. „Los, los! Wir müssen noch ein paar Akte proben.“ Wir erhoben uns. Nach einem kurzem Dankeschön und Aufwidersehen gingen wir rasch in die Eingangshalle, während die Anderen, die wohl in der Akademie wohnte hier blieben.
Kaum hatten wir wieder unser Mäntel an und standen draußen in der Kälte, als das Geplapper auch schon losging.
„Wow, das ist vielleicht cool da!“, jubilierte Layla und hüpfte einmal kurz. Ich nickte nur. In Gedanken war ich immer noch bei der wundervollen Gesangsdarbietung. Doch Kiyoshis nächste Worte rissen mich in die Wirklichkeit.
„Diese Judy hat es dir aber angetan, was Kumpel?“, fragte er neckisch und knuffte Anito in die Seite. Dieser lachte verlegen und schubste ihn.
„Ach, sie sieht ja auch wirklich toll und nett aus! Vielleicht lässt sie sich ja von mir den Glasschuh anziehen!“, versuchte er erfolglos, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Ich klopfte ihm grinsend auf die Schulter.
„Ich weiß, sie ist echt bildhübsch. Ich meine, sie ist nicht die erste Ausländern, die ich hier sehe. Hier wimmelt es ja von denen, aber keine war so schön.“ Layla nickte, während sie mit hochgezogenen Schultern auf der Stelle hüpfte. Dann tippte sie Kiyoshi an.
„Hey, kannst du mich bitte heim fahren? Ich schreib morgen ne Klausur und muss noch lernen.“ Ich verzog den Mund und stöhnte.
„Ach, ich muss auch noch Hausaufgaben machen. Außerdem wird mir langsam kalt.“ Das war das Stichwort. Wir verabschiedeten uns kurz und kau zwei Sekunden später saßen wir im warmen Auto und fuhren zurück zur Hauptstraße.
Anito hatte seit Kiyoshis Worten nichts mehr gesagt und weil er wohl nicht darüber reden wollte sah ich nur lächelnd aus der Windschutzscheibe. Es hatte aufgehört zu schneien, aber der nachtschwarze Himmel war von dicken Wolken verhangen.
Vor unserem Haus klopfte ich ihm auf die Schulter, ehe ich ausstieg. „Bis morgen in der Schule. Danke fürs fahren.“ Er wirkte immer noch geistig abwesend.
„Hm? Ach keine Ursache. Ja bis morgen.“ Grinsend stieg ich aus und knallte die Tür zu. Dann lief ich schnell den Weg zu unserer Haustür. Mein Bruder war auch gerade erst gekommen, obwohl er mit seinem Motorrad wahrscheinlich nicht im Stau gestanden war. Er machte mir die Tür auf.
„Hallo Schwesterchen.“ Das war auch schon alles, was er sagte. Ich lächelte und zog rasch Mantel und Stiefel aus. Dann rannte ich zwei Stufen aufeinmal nehmend die Treppe hinauf und überließ es damit Kiyoshi unseren Eltern zu erzählen, wie es gewesen war.
In meinem Zimmer angelangt schaltete ich seufzend das Licht an, setzte mich an meinen Schreibtisch und machte mich über die Hausaufgaben her.
Nach einer Stunde legte ich kurz den Stift weg und lehnte mich stöhnend zurück. Ich konnte und wollte einfach nicht verstehen, wozu Wurzelrechnen im späterem Leben gut sein sollte. Aber das würde mir der Lehrer auch nicht erklären können, also musste ich wohl weiter machen. Seufzend machte ich mich weiter daran, meinen Hausaufgabenberg zu bewältigen. Eine halbe Stunde später war ich fertig und streckte mich. Hatte ja lange genug gedauert. Jetzt hatte ich etwas Zeit für mich. Ich stand auf und schnappte mir ‚Biss’. Dann warf ich mich aufs Bett und las da weiter, wo ich das letzte Mal aufgehört hatte.

„Hey Schwesterchen! Es gibt Essen!“ Ich schreckte hoch und sah Kiyoshi, der in der Tür stand und belustigt auf mich hinabsah. Verwirrt setzte ich mich auf und das Buch rutschte von meinem Bauch. Ich musste wohl während dem Lesen eingeschlafen sein.
„Was? Ah gut. Was gibt’s?“ Doch er war schon wieder weg. Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es war halb neun. Gähnend und mich streckend stand ich auf und schwankte, von einem kurzem Schwindelgefühl überfallen. Als ich mich wieder gefangen hatte wankte ich halb schlafend die Treppe hinunter. Der Geruch, der mir entgegen schlug machte mich wach.
„Spagetti Bolognese!“, freute ich mich, sprang die letzten drei Stufen und schlitterte ins Wohnzimmer. Antoin und Kiyoshi saßen schon an dem gedecktem Tisch, während Saju eine Kanne Tee holte.
„Abend Haná!“, begrüßte mich mein Stiefvater, als ich mich auf meinen Stuhl setzte. Erst jetzt bemerkte ich wie hungrig ich war. Saju, die sich auch gesetzt hatte bemerkte es natürlich sofort.
„Help yourself!”, lachte sie und ich schaufelte mir sofort den Teller voll. Während wir aßen kamen natürlich die üblichen Tischgespräche. Wie war die Schule oder Arbeit? Gibt’s was neues? Soll es morgen kalt werden? Habt ihr schon alles erledigt und so weiter. Ich kam um die meisten Fragen drum rum, weil mir mein hungriger Magen wenig Zeit zum sprechen ließ.
Als wir schon alle fertig waren bedeutete Antoin uns, kurz zu warten.
„Ratet mal, was ich heute gemacht hab!“ Saju grinste. Sie wusste es natürlich, aber wir hatten keinen blassen Schimmer. „Ich habe heute einen Urlaub für eine Woche am Meer in Italien gebucht!“ Überrascht und erfreut sah ich auf. Auch Kiyoshi starrte seinen Vater sprachlos an.
„Cool!“, brachte er schließlich hervor und ich setzte strahlend nach:
„Wann?“ Saju antwortete, während sie lächelnd den Tisch abräumte.
„In den Faschingsferien. Das wird ein Spaß.“

Immer noch in Hochstimmung ging ich an diesem Abend ins Bett. Über das ‚Training’ und die Urlaubsplanung hatte ich hatte ich Julia und ihren Mikon und sogar Finn völlig vergessen. Und ich dachte auch nicht an sie, als ich bereits unter der warmen Decke einschlief.
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Di Jan 19, 2010 4:36 pm

ALso soviel schreiben hab ich vielleicht bock wenn Ferien sin. Bis dahin schreib ich meine Fanfiction fertig. Die kann ich ja dann auch mal reinstelln.naja derzeit les ich ja eure geschichten grade What a Face
Habt ihr die eig. selba euch überlegt oder aus nem buch abgeschrieben??
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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Do Jan 21, 2010 4:37 pm

Dasüberleg ich mir selber xD und der nächste post kommt vielelicht auch demnächst xD

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BeitragThema: Re: Eure Geschichten   Sa Jan 23, 2010 9:34 pm

Cooooooooool freu mich schon
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